Friedhöfe in Wien

Ein Führer zu allen Wiener Gräbern, Gruften und Katakomben
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Erscheinungsdatum 24.09.2026
Umfang 320 Seiten
Genre Reiseführer: Museen, historische Stätten, Galerien usw.
Verlag Falter Verlag
EAN 9783991660453
Sammlung Unsere Bestseller Bücherpost 2027 Allerheiligen in Wien
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Falter Verlagsges.m.b.H
Marc-Aurel-Straße 9 | AT-1011 Wien
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Dass es einen Führer zu Wiens Friedhöfen geben muss, liegt auf der Hand – wird doch gerade den Wienerinnen und Wienern ein besonders inniges Verhältnis zum Tod nachgesagt.

Werner T. Bauer führt durch die Geschichte der Bestattungskultur, berichtet von Pestgruben, kilometerlangen Trauerzügen, Bestattungs­unternehmern, die um jede Leiche stritten, und vom Kampf der Arbeiterschaft um die Feuerbestattung. Auf seiner Reise durch die 23 Wiener Bezirke erkundet Bauer barocke Grüfte und schaurige 
Katakomben, nüchterne Gräberzeilen und Friedhöfe mit besonderem Charme: vom Zentralfriedhof – wo er auf Schritt und Tritt auf bekannte Persönlichkeiten trifft – bis zum stillen Friedhof der Namenlosen. Ein eigenes Kapitel widmet sich den jüdischen Friedhöfen Wiens, ein weiterer Halt gilt dem Wiener Bestattungsmuseum.

„Friedhöfe in Wien“ ist praktischer Guide sowie kenntnisreiche und unterhaltsame Kulturgeschichte zugleich ergänzt durch Fotos von Charlotte Schwarz.

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Erscheinungsdatum 24.09.2026
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FALTER-Rezension

Es leben die Toten

Daniela Krenn in Falter 44/2026 vom 2026-10-28 (S. 37)

Gleich vier Mal hält die 71er-Bim an Wiens größtem Friedhof, mit rund 240 Hektar schlägt er flächenmäßig beinahe die Innere Stadt (287 Hektar). Am 1. November 1874 eröffnet, liegen hier rund drei Millionen Tote unter der Erde, etwa die Berühmtheiten Arthur Schnitzler, Falco und Beethoven. Architektonisch ragt die Karl-Borromäus-Kirche im Jugendstil heraus, vor ihr ruhen die verstorbenen Bundespräsidenten. Dutzende Mahnmale erinnern an die Geschichte dieser Stadt, als 1927 der Justizpalast brannte oder Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime ihr Leben ließen. Seit einigen Jahren gibt es am Wiener Zentralfriedhof Europas einzige buddhistische Abteilung. Das Herzstück ist ein Sakralbau (Stupa), um den die Grabreihen in acht Segmenten sternförmig angeordnet sind. Wer es mag: Der keltisch-esoterisch anmutende "Park der Ruhe und Kraft" soll eine besondere Verbindung mit der Natur ermöglichen.

11. , Simmeringer Hauptstraße 234, Bim 11,71 7-18 Uhr, ab 3. November 8-17 Uhr

Der Himmelsnahe: Kahlenberger Friedhof

Eine bessere Aussicht hat man kaum. Am Hügel des Kahlenbergs liegt der 1878 gegründete Pfarrfriedhof mit Blick auf die Donau, die Weinberge und den Leopoldsberg mit seiner Kirche. Einige ältere Grabsteine und schmiedeeiserne Grabkreuze sind noch übrig. Neben der Aufbahrungshalle fällt ein beschriebener Stein ins Auge: "Gedenket der Donauschwaben." Die Habsburger siedelten diese deutschsprachigen Siedler im 18. Jahrhundert in der Pannonischen Tiefebene an, um das Gebiet nach den Türkenkriegen wieder urbar zu machen. Seit 1983 ziehen die Nachfahren der Donauschwaben zur jährlichen Wallfahrt auf den Kahlenberg. Ein Wiedersehen gibt es hier auch mit der österreichischen "Femme fatale" Marisa Mell (1992) und dem Wiener "Nachtklubkönig" Heinz Werner Schimanko (2005).

19., Willibald-Fischer-Weg, Bus 400 Öffnungszeiten: rund um die Uhr zugänglich

Der Mysteriöse: Friedhof der Namenlosen

Ein Wasserwirbel am Stromkilometer 1918 hat in der Donau Ertrunkene früher im Bereich des Alberner Hafens angeschwemmt. Ein kleiner, 1854 angelegter Friedhof nahm die nicht identifizierbaren Leichen auf. 1900 übersiedelte er an seine heutige Stelle in der Nachbarschaft. Die meisten Toten sind Selbstmörder und Verunglückte, eine Tafel verkündet: "Ertrunken durch fremde Hand." Die Gräber sind betont schlicht und meist nur von einem schmiedeeisernen Kreuz geziert. Die Stimmung ist eindrucksvoll traurig und doch voller Frieden, zu Allerseelen ist der Friedhof überschwemmt von einem Meer gespendeter Blumen. Am ersten Sonntag danach legen die Mitglieder des Fischervereins Albern Kränze nieder und lassen ein mit brennenden Kerzen geschmücktes Floß zu Wasser.

11. , Alberner Hafen, 76A oder 76B ab Enkplatz, rund um die Uhr zugänglich

Der Umkämpfte: Islamischer Friedhof

Muslime wollen nach dem Tod drei Mal gewaschen und in Leintücher gewickelt werden, makellos sollen sie vor Gott treten. Dass in Österreich Sargpflicht herrscht, ändert nichts daran, dass Muslime auch in ihren Wiener Gräbern mit dem Gesicht Richtung Mekka bestattet werden. Als die muslimische Abteilung am Zentralfriedhof zu klein wurde, verhandelte die Islamische Glaubensgemeinschaft mit der Stadt Wien über zehn Jahre wegen eines Grundstücks. Es galt, viele Bedenken der Liesinger Anrainer zu zerstreuen, "Gebetsruf wird es keinen geben", sagte der damalige Stadtrat Werner Faymann. Im Land des permanenten Kirchengeläutes ist das eine sensible Frage. 2008 wurde der Friedhof schließlich eröffnet, die erste rein muslimische Ruhestätte des Landes.

23., Großmarktstraße 2a, 16A, 67A, 67B Öffnungszeiten: Mo-Fr 8.30-16.30, an den Wochenenden bis 17 Uhr

Der Entwurzelte: Wienerwald-Grabstätten

In diesen Gräbern liegen adelige Querulanten. Sie wollten nicht am Friedhof beerdigt werden, sondern in den Parks und Wäldern ihrer Anwesen. Im Zeitalter der Aufklärung und der neuen Naturverbundenheit erlaubte Kaiser Joseph ll. im Jahr 1788 einige solcher Grabstätten. Die berühmteste gehört dem Feldmarschall Franz Moritz Graf Lacy. Der Sohn irisch-katholischer Aristokraten wurde von seinem Vater nach Österreich geschickt und machte in der Armee Karriere. Nach mehreren militärischen Rückschlägen in den Türkenkriegen 1789 musste er den Oberbefehl abgeben. Das Schloss Neuwaldegg war sein Refugium, am höchsten Punkt des Parks ließ er das "Holländerdörfl" errichten. Nahe den 17 mit Stroh gedeckten Hütten liegt er begraben.

17., Schwarzenbergpark, 43A oder 43B Öffnungszeiten: rund um die Uhr zugänglich

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