Geheime Pfade

Geheime Pfade
Durchhäuser, Hinterhöfe und versteckte Gassln in Wien

von Gabriele Hasmann, Charlotte Schwarz

€ 29,90
Lieferung in 1-3 Werktagen

EAN: 9783854396390
Verlag: Falter Verlag
Format: Gebundene Ausgabe
Umfang: 248 Seiten
Erscheinungsdatum: 11.09.2019
Reihe: Kultur für Genießer

Ein Buch über ganz besonders bezaubernde Flecken Wiens: verborgene Durchhäuser, romantische Innenhöfe und stille Gassln, durch die man abseits der Touristenströme entspannt schlendern kann.  Legenden, Anekdoten und viele interessante Geschichten zu den historischen Orten ergänzen die Beschreibungen und die beeindruckenden Fotos machen Lust auf das Erkunden dieser einmaligen Kleinode und Farbtupfen im Grau der Großstadt.

Wir verzichten bei diesem Buch im Sinne der Umwelt auf die Verpackung mit Plastikfolie. 



Rezension aus FALTER 35/2020

Der blaue Herrgott ist längst weg. 1904 begann die Stadt Wien auf dem Areal des Armenversorgungshauses „Zum blauen Herrgott“ Kliniken zu bauen. Das Allgemeine Krankenhaus schräg gegenüber der Spitalgasse 23 brauchte mehr Platz. Auf den Spuren des Herrgotts findet sich heute lediglich eine Kirche, in deren Schatten rechts der Spielplatz des AKH-Betriebskindergartens, links eine kuschelige Wiese liegt. Blau wird hier übrigens auch am Tag des Herrgotts nicht gemacht, erstens, weil wir im Innenhof von Österreichs größtem Krankenhaus stehen, und zweitens, weil gerade ein höchst umstrittener Abbruch ansteht. Die legendäre „Erste Med“, die Erste medizinische Universitätsklinik, ein Jugendstilbau aus dem Jahr 1911, wird nach einigem Hin und Her demoliert. Im Herbst wird vom Werk des k.k. Architekten Emil von Förster nichts mehr zu sehen sein; Architekturfans sollten schnell sein. Ein wenig länger ist möglicherweise die ehemalige Kinderklinik (Baujahr 1911) zu bewundern, aktuell das Zuhause der IT-Abteilung des AKH. Der Abbruch ist noch nicht fix. Inzwischen lässt sich famos an einem der Holztische dahinter eine Pause einlegen. Picobello saniert sind hingegen die übrigen historischen Gebäude, in der unter anderem Weiterbildungszentren und Verwaltung residieren. Nach und nach vernichtete die Stadt Wien in der Zweiten Republik viele der alten Kliniken. Der „neue“ Teil Richtung Gürtel, in dem sich die beiden modernen Bettentürme befinden, zieht wohl eher Betonfans an. Patienten verirren sich selten in den „unteren“ Teil des AKH-Areals zwischen Spital- und Lazarettgasse; Krankenhaus ist wenig zu spüren. Vor der technischen Direktion stehen Palmen und beäugt ein steinerner Sigmund Freud die weißen, niedrigen Sitzgebilde, deren Form zu Interpretationen einlädt: ein Klecks? Ein verformter, vielbusiger Leichnam? Ein chemisches Etwas? Auch den kritischen Blicken von Ludwig Türck (Kenner der Kehlkopfkrankheiten) und Ignaz Semmelweis (Retter der Mütter) entkommt man hier nicht. Und, was hast du heute schon geleistet?, scheinen sie zu fragen. Im sogenannten AKH-Park, einem kleinen, aber fein bebaumten Wiesenstück neben dem Personalwohnheim (Charmeniveau: Plattenbau), kann man neben Rosen- und Hagebuttensträuchern wunderbar darüber nachdenken – und den blauen Herrgott einen guten Mann sein lassen.

Anna Goldenberg in FALTER 35/2020 vom 28.08.2020 (S. 47)



Rezension aus FALTER 34/2020

Der Märchenhafte

Es war einmal eine Stadt, die ließ ihren Bewohnerinnen und Bewohnern Sozialpaläste bauen und auf deren Deckenfresken die Heldinnen und Helden der Arbeit in Form von Märchenfiguren verewigen. Diese Stadt war Wien, und diesen Palast gibt es wirklich. Er heißt Vogelweidhof. Würde die Stadt heute noch nach den Prinzipien des Roten Wien bauen, wie würde sie wohl aussehen? Wären in dieser Utopie Wohnbauten mit Fresken von Lieferboten, Regaleinschlichtern, Pflegekräften, Call-Center-Mitarbeitern und Supermarktkassiererinnen geschmückt anstatt, wie die Decken des Vogelweidhofs, mit dem tapferen Schneiderlein (Schneider), dem Tischlein deck dich (Tischler) oder dem gestiefelten Kater (Schuhmacher)? Wären die dazugehörenden Märchen, die diese Berufsgruppen würdigten je geschrieben worden? Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, steht man im Arkadengang des 1927 fertiggestellten Gemeindebaus unweit des Neubaugürtels in Rudolfsheim-Fünfhaus. Der Vogelweidhof strahlt nicht nur, wie die meisten anderen Gemeindebauten dieser Epoche, die Imposanz eines Herrschaftssitzes aus, ihm wohnt dank seines freskenverzierten Säulengangs fast schon etwas Sakrales inne: bloß, dass hier im Kreuzgang des Proletariats anstatt Szenen aus der Bibel Fußballer, eine Gesundheitsuntersuchung an Kindern und Architekten bei der Arbeit zu sehen sind. Entworfen von Leopold Bauer, einem Schüler Otto Wagners und nach dem Minnesänger Walther von der Vogelweide benannt, blickte man beim Bezug des Baus aus dessen obersten Stockwerken nicht wie heute auf Märzpark und Stadthalle, sondern auf eine riesige Baustelle: Auf der gegenüberliegenden, 16.000 Quadratmeter großen Fläche wurde damals auf dem ehemaligen Schmelzer Friedhof eben erst besagter Park angelegt, benannt nach 35 hier bestatteten Toten der Märzrevolution von 1848. Längst ist das einst so stolze Monument der Sozialdemokratie in Vergessenheit geraten. Seine Schönheit erlosch ebenso wie der gute Ruf der Wiener Gemeindebauten. Die Fassade ergraute, auch die türkisfarbenen Zierbrunnen in den Höfen speien schon lange kein Wasser mehr. 2012 ließ die Stadt den Vogelweidhof generalsanieren und gab ihm etwas von seiner früheren Würde zurück. Heute wirkt der „Märchenhof“, wie er früher genannt wurde, als wäre er selbst Teil eines Märchens. Es war eben einmal.

Birgit Wittstock in FALTER 34/2020 vom 21.08.2020 (S. 39)

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