Nationalpark Donau-Auen
Ein Führer durch die Natur zwischen Wien und Bratislava

von Christina Rademacher

€ 19,90
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EAN: 9783854396123
Verlag: Falter Verlag
Umfang: 176 S. - 18,5 x 12,0 cm
Erscheinungsdatum: 27.06.2018

So nah an der Stadt und doch so ganz anders als Wien und Bratislava: der Nationalpark und die Naturschutzgebiete der Donau- und March-Auen. Im Großraum zwischen der Hauptstadt Österreichs und jener der Slowakei liegt ein arten- und abwechslungsreiches Erholungsgebiet für Mensch und Natur.

In zehn Kapiteln werden dieses Gebiet und seine nähere Umgebung vorgestellt. Seltene Tiere und Pflanzen, interessante Menschen und der Sinn eines Nationalparks zwischen zwei großen Städten sind Themen des Führers, der auch ganz praktische Tipps gibt: Wanderrouten, kulinarische Besonderheiten, Veranstaltungen und Naturerlebnisse in unterschiedlichen Landschaften, von der Steppe über karge Berge bis zu prächtigen Aulandschaften an Flüssen und Altarmen.

Mit dem Guide werden die Donau- und March-Auen zum nah gelegenen Freizeit- und Naturerlebnis.


Rezension aus FALTER 26/2018

Niederösterreichs Amazonas

In der Region zwischen Wien und Bratislava tritt häufiger als anderswo Wasser über die Ufer von Donau und March. Schön für tausende Tiere und Pflanzen in den Auen. Könnte ruhig öfter passieren

Katarina Zlochová steht mindestens zweimal im Jahr im unteren Teil ihres Grundstücks knöcheltief im Wasser: im Frühling, wenn Hochwasser die March über ihre Ufer treten lässt und im Juni, wenn mit der Donau dasselbe geschieht. Dann drückt der zweitmächtigste Strom Europas das Wasser der March zurück und versenkt Wiesen und Wälder, bis nur noch die obersten Spitzen der blauen Schwertlilien zu sehen sind, die für das Land, in dem die March in die Donau mündet, typisch sind.

Ohne das überlaufende Wasser würden die blauen Blumen, die in Österreich vom Aussterben bedroht sind und als Heilpflanze gelten, hier nicht vorkommen. Ebensowenig wie die mehr als 800 Pflanzenarten, über 30 Säugetier- und 100 Brutvogelarten, acht Reptilien- und 13 Amphibienarten und rund 60 Fischarten, die im Nationalpark Donau-Auen leben, der sich zwischen Wien und Bratislava auf 9300 Hektar erstreckt.
Katarina Zlochová ist eine von neun Donau-Expertinnen und –experten, mit denen Autorin Christina Rademacher für ihr Buch „Nationalpark Donau-Auen. Ein Führer durch die Natur zwischen Wien und Bratislava“ gesprochen hat, das diese Woche im Falter Verlag erscheint. Seit 18 Jahren lebt die gebürtige Deutsche in Wien. Ihr sei es ein Anliegen, den Leuten zu zeigen, welche Schätze direkt vor ihrer Haustüre liegen. „Dass man nicht erst in ein Flugzeug steigen muss, um beeindruckende Natur zu erleben, sondern dass – wie hier in den Auen – ein Öffi-Ticket oft reicht.“
Der Nationalpark Donau-Auen schützt die letzte größere zusammenhängende Flussauenlandschaft in Mitteleuropa. Hier konnte die freie Fließstrecke der Donau erhalten werden – der flussbegleitende Auwald gilt als der ursprünglichste und ökologisch bedeutendste in unseren Breiten. Gefährdet wird das Artenreichtum, das – zählt man land- und wasserlebende Insekten sowie wirbellose Tiere dazu – rund 5000 Arten umfasst, durch Flussregulierungen und gebietsfremde Tiere und Pflanzen, die sich schnell ausbreiten und den heimischen Arten Luft, Licht und Nahrung entziehen.
Für ihre Recherche schlüpfte Christina Rademacher über mehrere Monate hinweg in Gummistiefel, um die Auen zu erkunden. „Was mich dabei am meisten überrascht hat, ist, dass der Fluss so eine außerordentlich gestaltende Funktion einnimmt.“ Wäre die Donau unreguliert, lässt sich die Autorin von Experten vorrechnen, bliebe nach 100 Jahren nur ein Prozent der Auenlandschaft so, wie sie jetzt ist: „Wo heute Wasser ist, läge dann eine Kiesbank. Wo sich heute eine Kiesbank erstreckt, wüchsen dann Silberweiden.“ Der stetige Wechsel bildet die Lebensgrundlage für viele Tiere und Pflanzen. Man könne sich die Donau vorstellen wie ein Kind, erklärt Rademacher, das einen Sandkasten mit Kübeln voller Wasser in eine Gebirgslandschaft verwandelt, um sie am nächsten Tag wieder einzureißen und etwas völlig Neues zu bauen.
Für Katarina Zlochová gab es schon Jahre, in denen sie bis zu den Hüften nass war, wenn sie durch ihren Garten schritt. Dann rief sie nach ihrer Familie, die in die Badehosen schlüpfte, die Kartoffeln und Gurken aus dem Boden fischte und die Ernte einsammelte – in einer Babybadewanne, die zwischen den Kindern im Hochwasser schaukelte.

Seit 1974 lebt die tschechische Mikrobiologin in Devínska Nová Ves, einem Stadtteil im Nordwesten Bratislavas, unmittelbar an der Grenze zu Österreich. Die häufigen Überschwemmungen haben den Auwald ringsum „weich“ gemacht: Im sumpfigen Boden gedeihen schnell wachsende Pappeln und Weiden – und Menschen, die ein gewisses Maß an Pragmatismus ausmacht: „Wenn die March ansteigt, wird eben schnell alles in Sicherheit gebracht“, sagt Zlochová.
Für die Wissenschaftlerin, die in der Region Führungen anbietet, ist das Schutzgebiet vor ihrer Haustüre ein Glücksfall: Im Frühling beobachtet sie Smaragdeidechsen bei ihren Paarungskämpfen und Bienenfresser, wie sie fast zwei Meter tiefe Brutröhren in sandige Abhänge graben: Dass die bunt gefärbten Vögel, die in den 80ern bereits als ausgestorben galten, hier überhaupt zu finden sind, ist wohl dem Eisernen Vorhang zu verdanken, der mitten durch das Gebiet der Marchau verlief: „Die Tiere und Pflanzen profitierten von ihm“, meint die Mikrobiologin, „aber ich kann mich noch an die Schreie erinnern, die hier oft zu hören waren.“ Dass es heute einen direkten Weg nach Österreich gibt, ganz ohne Grenzkontrollen, ist für Zlochová „immer noch ein großes Wunder“, wie sie sagt. An den Tag der Grenzöffnung im Jahr 1989, an dem ihre Kinder den Stacheldrahtzaun mit großen Scheren durchgeschnitten haben, erinnert sie sich heute noch gern.
Durch die Begegnung mit Zlochová, erzählt Christina Rademacher, habe sie viel gelernt über die Geschichte der Region, die sich unmittelbar vor der Haustür der Wiener befindet. Und über die Donau selbst: Dass der Fluss nämlich etwa aussieht, wie er aussieht – also mit Ausnahme eines Stücks in der Wachau und im Nationalpark in Österreich streng reguliert –, sei das Ergebnis einer Erfindung, die ab 1830 die Flusslandschaften dieser Welt veränderte: die Dampfschifffahrt. Für die Schiffe, die einen wesentlich größeren Tiefgang und einen wesentlich höheren Wellengang hatten, als die Holzboote, mit denen die Donau davor jahrhundertelang befahren wurde, mussten das Flussbett vertieft und die Ufer stabilisiert werden. Der Hochwasserschutz, Kraftwerks- und Dammbauten taten ihr Übriges, um das Bild des insgesamt 2850 Kilometer langen Flusses zu verändern.

Wie die Flusslandschaft der Donau vor den zahlreichen Eingriffen ausgesehen hat, lässt sich heute nicht rekonstruieren. Dass aber Besucher des Nationalparks einen Eindruck davon bekommen, wie eine Aulandschaft funktioniert, ist im Grunde einem Schwarzstorch, einem Au-Hirsch und einer Rotbauchunke zu verdanken, die vor knapp 35 Jahren ihre, in die Annalen des Naturschutzes eingegangene „Pressekonferenz der Tiere“ abhielten: Autor Günther Nenning, Grünen-Ikone Freda Meissner-Blau, der damalige Chef der FPÖ-Jugend Hubert Gorbach, SPÖ-Urgestein Josef Cap und sein ÖVP-Urgesteins-Kollege Othmar Karas, Schriftsteller Peter Turrini sowie viele andere luden zum Presse-Event, der als Startschuss für den Widerstand gegen das geplante Donaukraftwerk in Hainburg galt und damit als Wegbereiter für den heutigen Nationalpark, der 1996 eröffnet wurde. So kam es, dass die Donau zwischen Wien und Bratislava heute fließen kann, wie sie will, nur: Fragt man die Ranger, die im Jahr tausende Touristen über die angelegten Wanderwege geleiten, so ist die einst wilde Donau heute viel zu zahm. Die vielen Regulierungen haben den Strom träge gemacht. Anstatt auszuufern, fließt er brav in seinem Korsett, in das er sich Jahr für Jahr tiefer gräbt, weil er in den begradigten Abschnitten links und rechts auf Grenzen stößt. In den Auen Seitenarme zu bewässern, geht sich für den Fluss dabei nicht mehr aus, was fatal ist für eine Landschaft, die davon lebt, regelmäßig unter Wasser gesetzt zu werden. Die Donauau lebt von konstanter Veränderung; lassen sich ihre Arme wegen des Wassermangels nicht mehr bewegen, mutiert die Landschaft zu Wald. „Damit Natur Natur sein kann, muss jemand regelmäßig Steine in die Donau werfen“, zitiert Christina Rademacher den Direktor des Nationalparks Carl Manzano in ihrem Buch. Deshalb wird einmal im Jahr Kies, der weiter unten zur Erhaltung der Schifffahrtsrinne aus der Donau gebaggert wird, auf Boote verladen und stromaufwärts ins Wasser gekippt, um die Sohle des Flussbettes aufzufüllen.
Zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Au müssen die Nationalparkmitarbeiter nicht nur wie Sisyphus Kieselsteine transportieren, sie müssen auch konstant zupfen und mähen. Obwohl die Leitlinie des Parks verbietet, in die Naturzonen einzugreifen, ist das die einzige Option, um zu verhindern, dass ungeliebte Neulinge in den Auen das Kommando übernehmen:
Alleine in Niederösterreich gibt es mittlerweile weit über 170 eingeschleppte Pflanzenarten: den eschenblättrigen Ahorn, den Götterbaum, Akazien und das kleinblättrige Springkraut zum Beispiel. Entlang der March breiten sich die Rau- und Glattblatt-Astern aus: Werden die Wiesen nicht zweimal pro Jahr gemäht, nehmen die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Astern ungebremst überhand und lassen zum Beispiel dem Adonisröschen, das in den 80ern als ausgestorben galt und seit der Antike als Heilmittel bei Herzleiden bekannt ist, keinen Platz.

Und auch im Tierreich breiten sich die Neophyten aus: Im seichten Wasser entlang des Donauufers zum Beispiel finden sich millionenfach kleine bräunliche Muscheln, die Körbchenmuscheln, die ursprünglich aus Asien stammen und mit Containerschiffen vom Yangtze-Fluss eingeschleppt wurden. Mittlerweile haben sie sich in den Auen so stark verbreitet, dass sie den heimischen Muscheln die Nahrung wegfiltern.
In den Auen ebenso millionenfach zu finden – auch ungut, aber definitiv heimisch: die Gelse, wichtige Nahrungsquelle für Fledermäuse, Vögel und andere. Welche Routen Besucher des Nationalparks bevorzugt begehen, während sie sich von Gelsen jagen lassen, steht in Rademachers Buch. Für das in den gelsenfreien Wintermonaten recherchiert wurde.

Verena Randolf in FALTER 26/2018 vom 29.06.2018 (S. 52)



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