Caliban oder Politik und Leidenschaft
Versuch über die menschlichen Gruppenleidenschaften dargetan am Antisemitismus. BA, Band III/2

von Arnold Zweig, David R. Midgley

€ 35,00
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Verlag: Aufbau Verlag
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Essays, Feuilleton, Literaturkritik, Interviews
Umfang: 474 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.04.2000

Eine hellsichtige Analyse des Antisemitismus von ungebrochener Aktualität1927, im gleichen Jahr wie sein bekanntester Roman, "Der Streit um den Sergeanten Grischa", erschien auch dieser Essay von Arnold Zweig. Der Autor hatte zuvor in mehreren Aufsätzen auf die zunehmende Bedrohung von Juden in Deutschland und Osteuropa hingewiesen. In seiner Vorrede betont er, kein politisches Buch, kein Kampfbuch gegen, sondern ein Sach- und Kampfbuch über den Antisemitismus geschrieben zu haben. Doch gelangt er bald zu einer hochgradigen polemi-schen Schärfe, vor allem an jenen Stellen, in denen er das politische Verhalten der deutschen Bourgeoisie und die Reaktion des enttäuschten Nationalismus auf den Ausgang des Ersten Weltkrieges charakterisiert. Zweig geht es vor allem darum, das Einzigartige an jüdischen kulturellen Werten hervorzuheben und die Vorurteile gegen Juden als historisch bedingt darzustellen, zum anderen will er den Antisemitismus als Abart eines universellen menschlichen Hangs zu Abgrenzung und Selbstüberschätzung verstanden wissen. Ihn interessieren die psychologischen Dimensionen des Antisemitismus in Deutschland: seine Auswirkungen auf das Gesellschaftsleben der Juden oder auf die Sozialisation von Jugendlichen. Darüber hinaus beschäftigt ihn der moderne Antisemitismus unter dem Gesichtspunkt nationaler Identitätsgefühle in Europa.

Rezension aus FALTER 36/2000

Dass es aber Gaskammern gab, die industrielle Vernichtung von Menschen, nein, ich gebe zu, das habe ich mir nicht vorgestellt, und weil ich es mir nicht vorstellen konnte, habe ich es nicht gewusst." So erklärt der französische Soziologe Raymond Aron in seinen Memoiren, was der italienische Historiker Enzo Traverso in seinem neuen Opus "Auschwitz denken" die "Blindheit der Intellektuellen" nennt. Aber nicht den unzähligen "Blinden" widmet er seine erhellende Untersuchung, sondern den wenigen, die Auschwitz schon früh ahnten oder zu deuten versuchten. Gemeint sind die leider meist "unerhörten Feuermelder": Hannah Arendt etwa, die Auschwitz schon während des Krieges als einen bislang unvergleichlichen Zivilisationsbruch analysierte. Oder Horkheimer und Adorno, die begriffen, dass Auschwitz dialektisch aus der Aufklärung selbst hervorgeht. Ergänzt wird seine eingestandenermaßen subjektive Auswahl (Benjamin, Max Weber, Kafka, Sartre, Anders et al.) durch eine Würdigung jener Überlebenden, die mit ihren Gedichten oder Memoiren das Weiterleben nach Auschwitz zur Frage machten: Paul Celan, der um eine neue Sprache kämpfte, Primo Levi und Jean Amery, die zeigten, wie aus den Lagern der "entmenschte Mensch" hervorging.Arnold Zweig hingegen kommt bei Traverso zu Recht nicht vor, denn der war tatsächlich kein "Feuermelder". Das zeigt nicht zuletzt seine breit angelegte Studie zum Antisemitismus "Caliban", die erstmals 1927 und jetzt unverändert neu erschienen ist. So erhellend Zweig darin die Befindlichkeit der Juden in der Zwischenkriegszeit analysiert, so blind macht er letztlich die Rassenideologie der Nationalsozialisten mit, indem er den Antisemitismus als einen biologisch begründeten Gruppenaffekt begreift.

Iris Buchheim in FALTER 36/2000 vom 08.09.2000 (S. 52)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Auschwitz denken (Enzo Traverso, Helmut Dahmer)

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