Rom

Geschichte einer Weltmacht
928 Seiten, Hardcover
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Themen Geschichte und Archäologie Geschichte Europäische Geschichte Römer
ISBN 9783406843273
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 20.08.2026
Größe 24 x 15.8 cm
Verlag C.H.Beck
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HerstellerangabenAnzeigen
Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
Wilhelmstraße 9 | DE-80801 München
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Kurzbeschreibung des Verlags

Von Romulus bis Mohammed - die gesamte Geschichte Roms neu erzählt Aufstieg und Fall des Römischen Reiches haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Wie nur gelang es einem kleinen Dorf auf sieben Hügeln, zum unangefochtenen Herrscher über den gesamten Mittelmeerraum, West- und Südosteuropa zu werden? Und welche Gründe trugen zu seiner Auflösung in der Spätantike bei? In diesem Buch erzählt Rene Pfeilschifter 1.400 Jahre römische Geschichte kurzweilig und unterhaltsam, wie man es noch nie zuvor gelesen hat.Von der legendenumrankten Stadtgründung 753 v. Chr. und dem Sturz der Königsherrschaft führt diese monumentale Darstellung der römischen Geschichte über den blutigen Aufstieg der Republik samt ihren Kriegen gegen Hannibal & Co., über Julius Caesar, den ersten Kaiser Augustus und die Aufspaltung in Ost- und Westreich bis zum Aufstieg des Islam. Doch nicht nur die politischen Ereignisse und Strukturen werden hier anschaulich vor Augen geführt und analysiert. Das Buch bereichert seine Leserschaft gerade auch durch die Kapitel zu Kultur und Gesellschaft, zu Umwelt und Klima, zu Frauen und Familie, zu Sklaven und unterworfenen Völkern. So zeichnet es das Panorama einer untergegangenen Welt, die uns nur auf den ersten Blick ganz nahe zu sein scheint.

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ISBN 9783406843273
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FALTER-Rezension

Kaiser, Kriege, Koliken

Thomas Leitner in FALTER 41/2026 vom 07.10.2026 (S. 43)

Vom Anfang wissen wir nichts. Den Römern ging es genau so.“ Schon der erste Satz des Eingangskapitels über Aufstieg und Fall dieser Weltmacht zeigt die Formulierungslust des Historikers René Pfeilschifter (*1971), Professor an der Universität Würzburg – er widmete sich bisher vor allem der republikanischen Geschichte Roms und der orientalischen Spätantike. Auch methodisch lässt sich darin Wesentliches ablesen, nämlich sein kritischer Umgang mit Quellen. Als akribischer Wissenschaftler kann er antike Autoren, die über die auch für sie ferne Vergangenheit berichten, so gar nicht als verlässliche Zeugen anerkennen.

Abgesehen von fragmentarisch erhaltenen Aufzeichnungen über die Kriege gegen Karthago sind die frühesten Darstellungen der römischen Geschichte erst ab dem ersten vorchristlichen Jahrhundert abgefasst. Was da von Königen, etruskischer Fremdherrschaft und der Stadtgründung 753 geflunkert wird, birgt wohl kaum mehr Wahrheitsgehalt als die Sage von den wolfsgesäugten Zwillingen Romulus und Remus. Auch aus archäologischen Funden wie Inschriften lässt sich nur ein vages Bild von den Lebensumständen der Bewohner dieser Siedlung und ihrer Nachbarn ablesen.

Die Dynamik der Expansion aber, die von einem dörflich-agrarischen Zentrum ausgehend ganz Latium und bald weite Teile Italiens erfasste, zeugt von der Existenz rivalisierender Clans. Allmählich bildeten sich Institutionen heraus: der Senat als Organ der Clanchefs und, als Gegengewicht, die Volksversammlung mit ihren Volkstribunen. Ohne geschriebene Verfassung führte das zu einem stets schwankenden Gleichgewicht, in dem ein Minimum an Gemeinsinn ein radikales Ausleben der Rivalitäten bremste. Die so entstandene Republik war also fragil.

Der zentrale Teil von Pfeilschifters Buch widmet sich dem langsamen Untergang dieses Gebildes im ersten vorchristlichen Jahrhundert. Bisher hatten äußere Bedrohungen und in Eroberungskriegen angehäufte Reichtümer dabei geholfen, trotz der Übermacht der Eliten einen gewissen partizipativen Charakter des Staatswesens zu erhalten.

Das gerät um das Jahr 140 in eine Krise, die zu meistern sich alle politischen Akteure unfähig erwiesen. Eine Reformbewegung versuchte, breitere Bevölkerungsschichten ins politische Leben einzubeziehen, indem sie Ländereien neu vergab und die Volksversammlung stärkte. Die Eliten aber, jedem Fortschrittsgedanken abhold, klammerten sich an die Vorstellung eines idealen vergangenen „goldenen“ Zeitalters und reagierten mit gewalttätiger Repression.

Diese Krise als ausweglos zu betrachten, weigert sich der Autor: Er widerspricht der These des „autonomen Prozesses“ (so bezeichnet der prominente Althistoriker Christian Meier einen Vorgang, der sich losgelöst vom Willen der politischen Akteure verselbständigt). Freilich führte der Verfall der Republik zur Alleinherrschaft Caesars und zu einer Monarchie, die immer wieder den Charakter einer Militärdiktatur annahm – aber eben nicht notwendigerweise.

Hier tritt das innerste Anliegen des monumentalen Werks zutage, nämlich zu vermitteln: Es hätte auch anders kommen können. Das soll Hoffnung geben, dass auch in der Gegenwart scheinbar unaufhaltsamen Entwicklungen entgegengewirkt werden kann. Der Anspruch des Autors lautet: „Römische Geschichte muss in Bezug zur Welt von heute erzählt werden.“ Diesem wird er voll gerecht, indem er Gegenwartsbezug herstellt: Caesars Rivale Crassus definierte Reichtum mit der Fähigkeit, eine Legion zu unterhalten, also bis zu 10.000 Mann – Pfeilschifter rechnet vor, dass dies für Elon Musk ein Leichtes wäre.

Neben der Spätgeschichte der Republik stellt die Beschreibung der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Justinian (ab 527 bis 565) einen Höhepunkt dar. Detail am Rande: Belisar, der Feldherr, der für Justinian Italien zurückerobern sollte, hielt sich dazu eine Privatarmee auf eigene Kosten. Der Band endet recht abrupt mit der islamischen Expansion im 8. Jahrhundert.

Gleichzeitig mit diesem anspruchsvollen staatstheoretischen Werk ist bei C.H. Beck ein weiterer Titel des Oldenburger Historikers Michael Sommer erschienen: „Dirty Rome“ blickt hinter die Fassade der glanzvollen Metropole. Der Verlag stilisiert Sommer ein wenig als „Mann fürs Grobe“, entsprechend der Untertitel „Die schmutzige Seite der Antike“.

Ganz so spektakulär „dirty“ geht es in Rom dann doch nicht zu. Sommer widmet sich realkundlichen und wirtschaftshistorischen Aspekten wie der Kanalisation, dem Wohnbau und der Landwirtschaft. Durchgehendes Element sind die extremen sozialen Unterschiede, wie sie sich in den „insulae“ spiegeln, den mehrstöckigen Zinshäusern in Rom: Ganz oben, ohne Wasser, Licht und Komfort, wohnen die Armen (auf dem Abtritt allerdings hockt gleichberechtigt Reich neben Arm).

Sommer beackert ein weites Feld: Von der Entsorgung der Leichen Krimineller im Fluss bis zu den Ingenieurleistungen, die die Wasserleitungen hervorbrachten, von den Koliken des Workaholics Marc Aurel und den problematischen Behandlungsmethoden seines Arztes Galen bis zu dessen Empfehlung, für eine hygienische Umgebung für Neugeborene zu sorgen; von der Mär von Christen als menschliche Fackeln bei Nero bis zum grausigen Ende der Philosophin Hypatia durch einen christlichen Lynchmob.

Logisch nachvollziehbar sind Sommers Verknüpfungen: Weil Seuchen in der Provinz Ägypten die Bevölkerung dezimieren, wird die künstliche Bewässerung vernachlässigt, was zum Rückgang der Anbaufläche führt. Resultat: eine Versorgungskrise in Rom. – Lebendig und süffig erzählt, erscheinen Sommers Formulierungen oft doch etwas flapsig.

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