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| Themen | Sprache und Sprachwissenschaft Sprachwissenschaft, Linguistik Sprachphilosophie |
|---|---|
| ISBN | 9783446282278 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 17.03.2026 |
| Größe | 21.1 x 13.3 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Was bedeutete es in der heutigen Gesellschaft, die Opferrolle zu erleben und Verwundbarkeit zu zeigen? Schwäche zu zeigen galt lange als Tabu. Heute kann, wer sich als Opfer sieht, mit Aufmerksamkeit und Empathie rechnen. Sieger und Helden taugen nicht mehr selbstverständlich als Vorbilder. Die Philosophin Maria-Sibylla Lotter erklärt diesen Wandel mit der weiten Verbreitung psychotherapeutischen Denkens und den vielfältigen Formen der Erinnerung an die Opfer politischer Gewalt. Damit wird die Gesellschaft menschlicher, geht aber das Risiko ein, dass Menschen in der Opferrolle Handlungsfähigkeit und Autonomie einbüßen. Reden wir allzu schnell von Opfern? Müssen wir uns darin üben, Konflikte und Verletzungen als unvermeidliche Erfahrungen zu akzeptieren? Maria-Sibylla Lotter wirft einen kühlen Blick auf eine aufgeregte Debatte.
| Themen | Sprache und Sprachwissenschaft Sprachwissenschaft, Linguistik Sprachphilosophie |
|---|---|
| ISBN | 9783446282278 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 17.03.2026 |
| Größe | 21.1 x 13.3 cm |
| Verlag | Hanser, Carl |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |

Lina Paulitsch in FALTER 43/2026 vom 21.10.2026 (S. 31)
Wie stark die Assoziationen zum Begriff Opfer variieren, zeigen mehrere Neuerscheinungen der vergangenen Monate. Gleich drei Sachbücher schafften es auf die Bestsellerliste.
Opfer zu sein, bringe heute zuvorderst Vorteile, konstatiert Maria-Sibylla Lotter (siehe auch Interview). Den Grund dafür sieht die Philosophin in einer neuen Alltagsmoral: der sogenannten "Therapiemoral", die psychische Verwundbarkeit zum obersten Gut erklärt. Anstatt sich zu emanzipieren, würden sich Opfer heute hinter ihrer Verletzlichkeit verschanzen. Jede Nachfrage gelte als Affront, egal, ob tatsächlich ein Trauma vorliegt oder nicht.
Mit großer Präzision seziert Lotter ein zeitgenössisches Diskursverhalten und unterlegt es mit zahlreichen Beispielen. Sie vermeidet den Fehler, nicht auch auf die Errungenschaften zu verweisen, die stärkerer Opferschutz mit sich gebracht hat. Obwohl ihre scharfe Analyse einen Großteil des Buches trägt, lesen sich manche Passagen trotzdem wie klassisches Snowflake-Bashing.
Etwa wenn die Autorin kritisiert, dass heute Konflikte nicht zwischen den Beteiligten gelöst, sondern immerzu Dritte -Behörden, Universitäten, Gerichte - eingeschaltet würden. Dass Opfer von Missbrauch und Gewalt in Institutionen immer noch schlechte Chancen haben, bleibt freilich unerwähnt. Oder wenn Lotter sich auf prominente antiwoke Autoren bezieht, etwa den ungarisch-britischen Soziologen Frank Furedi, der sich in den Dienst von Viktor Orbáns Kulturkampf stellte.
Am anderen Ende des Spektrums steht Alice Hasters' Buch "Anti Opfer". Hasters, Jg. 1989, Tochter einer afroamerikanischen Mutter und eines deutschen Vaters, wurde mit ihrem Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen" zum Shootingstar progressiver Autorinnen. In ihrem neuen Buch beklagt sie keine überbordende Sensibilität, sondern eine Art Appropriation des Opferbegriffs.
"Anti-Opfer" sind für Hasters Akteure, die sich als Opfer der Opfer inszenieren. Weil sich alle immer diskriminiert fühlten, dürfe man nichts mehr sagen, behaupten die Anti-Opfer. Weshalb es keiner Empathie bedürfe, sondern einer neuen Härte, die rechte Parteien für sich in Anspruch nehmen. Wie Lotter lehnt auch Hasters ein rein gefühltes Opferbewusstsein ab. Den Schutz von Marginalisierten - etwa von Frauen, Armen, Kolonisierten -fordert sie dennoch ohne Wenn und Aber.
Dass auch die Mächtigen zum Opfer taugen, damit kokettiert Sophia Fritz, Jg. 1997. Die Autorin plädiert für mehr Mitleid mit Männern. Die führen immer noch die meisten Firmen, Staaten und Familien. Aber ihnen fehlen Nähe, Fürsorge und Emotion. Und das mache sie letztlich zu Opfern ihrer eigenen Privilegien.
Möchte man die Manosphere, den modernen Frauenhass und den Rechtsruck verstehen, ist ein empathischer Blick auf männliche Leiden jedenfalls vonnöten. Fritz bedient sich einer Sprache, die weniger philosophisch als alltäglich daherkommt. "Der Mann, das Opfer" vermittelt das Thema gekonnt einer breiten Leserschaft.
In dieser Rezension ebenfalls besprochen:

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