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| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten Gruppen Männer und Jungen |
|---|---|
| ISBN | 9783446288645 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.10.2026 |
| Größe | 21.1 x 13.1 cm |
| Verlag | Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Nach ihrem Bestseller »Toxische Weiblichkeit« formuliert Sophia Fritz eine empathische Kritik des Mannseins, die nicht anklagt, sondern verstehen will. Der Mann, ein Opfer? Nein – und ja. Noch immer sind es vor allem Männer, die regieren, besitzen, entscheiden, gewinnen. Doch hinter der Dominanz zeigt sich eine widersprüchliche Wirklichkeit: Männer blocken ab, setzen sich über andere hinweg, schweigen und verschwinden. Sie fehlen, in Familien und Partnerschaften, einander und sich selbst. Ausgehend vom Verlust ihres Bruders erkundet Sophia Fritz das Mannwerden in der Gegenwart. Sie sucht nach den kulturellen und emotionalen Mechanismen, die erklären, warum Männlichkeit in ihrer heutigen Form so viel Schmerz erzeugt – für die, die sie verkörpern, und für jene, die unter ihr leiden. Nach "Toxische Weiblichkeit" ist "Der Mann, das Opfer" eine dringend gebotene und empathische Kritik patriarchaler Männlichkeit, aber vor allem ist es eine Einladung, an dessen Stelle etwas Neues, Freieres und Verletzlicheres zu setzen.
| Themen | Gesellschaft und Sozialwissenschaften Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten Gruppen Männer und Jungen |
|---|---|
| ISBN | 9783446288645 |
| Sprache | Deutsch |
| Erscheinungsdatum | 06.10.2026 |
| Größe | 21.1 x 13.1 cm |
| Verlag | Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |

Lina Paulitsch in FALTER 43/2026 vom 21.10.2026 (S. 31)
Wie stark die Assoziationen zum Begriff Opfer variieren, zeigen mehrere Neuerscheinungen der vergangenen Monate. Gleich drei Sachbücher schafften es auf die Bestsellerliste.
Opfer zu sein, bringe heute zuvorderst Vorteile, konstatiert Maria-Sibylla Lotter (siehe auch Interview). Den Grund dafür sieht die Philosophin in einer neuen Alltagsmoral: der sogenannten "Therapiemoral", die psychische Verwundbarkeit zum obersten Gut erklärt. Anstatt sich zu emanzipieren, würden sich Opfer heute hinter ihrer Verletzlichkeit verschanzen. Jede Nachfrage gelte als Affront, egal, ob tatsächlich ein Trauma vorliegt oder nicht.
Mit großer Präzision seziert Lotter ein zeitgenössisches Diskursverhalten und unterlegt es mit zahlreichen Beispielen. Sie vermeidet den Fehler, nicht auch auf die Errungenschaften zu verweisen, die stärkerer Opferschutz mit sich gebracht hat. Obwohl ihre scharfe Analyse einen Großteil des Buches trägt, lesen sich manche Passagen trotzdem wie klassisches Snowflake-Bashing.
Etwa wenn die Autorin kritisiert, dass heute Konflikte nicht zwischen den Beteiligten gelöst, sondern immerzu Dritte -Behörden, Universitäten, Gerichte - eingeschaltet würden. Dass Opfer von Missbrauch und Gewalt in Institutionen immer noch schlechte Chancen haben, bleibt freilich unerwähnt. Oder wenn Lotter sich auf prominente antiwoke Autoren bezieht, etwa den ungarisch-britischen Soziologen Frank Furedi, der sich in den Dienst von Viktor Orbáns Kulturkampf stellte.
Am anderen Ende des Spektrums steht Alice Hasters' Buch "Anti Opfer". Hasters, Jg. 1989, Tochter einer afroamerikanischen Mutter und eines deutschen Vaters, wurde mit ihrem Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen" zum Shootingstar progressiver Autorinnen. In ihrem neuen Buch beklagt sie keine überbordende Sensibilität, sondern eine Art Appropriation des Opferbegriffs.
"Anti-Opfer" sind für Hasters Akteure, die sich als Opfer der Opfer inszenieren. Weil sich alle immer diskriminiert fühlten, dürfe man nichts mehr sagen, behaupten die Anti-Opfer. Weshalb es keiner Empathie bedürfe, sondern einer neuen Härte, die rechte Parteien für sich in Anspruch nehmen. Wie Lotter lehnt auch Hasters ein rein gefühltes Opferbewusstsein ab. Den Schutz von Marginalisierten - etwa von Frauen, Armen, Kolonisierten -fordert sie dennoch ohne Wenn und Aber.
Dass auch die Mächtigen zum Opfer taugen, damit kokettiert Sophia Fritz, Jg. 1997. Die Autorin plädiert für mehr Mitleid mit Männern. Die führen immer noch die meisten Firmen, Staaten und Familien. Aber ihnen fehlen Nähe, Fürsorge und Emotion. Und das mache sie letztlich zu Opfern ihrer eigenen Privilegien.
Möchte man die Manosphere, den modernen Frauenhass und den Rechtsruck verstehen, ist ein empathischer Blick auf männliche Leiden jedenfalls vonnöten. Fritz bedient sich einer Sprache, die weniger philosophisch als alltäglich daherkommt. "Der Mann, das Opfer" vermittelt das Thema gekonnt einer breiten Leserschaft.
In dieser Rezension ebenfalls besprochen:

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