Wir sind das Klima!

Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Jonathan Safran Foer schafft es erneut, uns ein komplexes Thema wie die Klimakrise so nahe zu bringen wie niemand sonst. Und das Beste: Einen Lösungsansatz liefert er gleich mit.
Mit seinem Bestseller »Tiere essen« hat Jonathan Safran Foer weltweit Furore gemacht: Viele seiner Leser wurden nach der Lektüre Vegetarier oder haben zumindest ihre Ernährung überdacht. Nun nimmt Foer sich des größten Themas unserer Zeit an: dem Klimawandel. Der Klimawandel ist zu abstrakt, deshalb lässt er uns kalt. Foer erinnert an die Kraft und Notwendigkeit gemeinsamen Handelns und führt dazu anschaulich viele gelungene Beispiele an, die uns als Ansporn dienen sollen. Wir können die Welt nicht retten, ohne einem der größten CO2- und Methangas-Produzenten zu Leibe zu rücken, der Massentierhaltung. Foer zeigt einen Lösungsansatz auf, der niemandem viel abverlangt, aber extrem wirkungsvoll ist: tierische Produkte nur einmal täglich zur Hauptmahlzeit.
Foer nähert sich diesem wichtigen Thema eloquent, überzeugend, sehr persönlich und mit wachem Blick und großem Herz für die menschliche Unzulänglichkeit. Und das Beste: Seinen Lösungsansatz können Sie gleich in die Tat umsetzen.

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FALTER-Rezension

Von der Klima­katastrophe zum Zeitalter der Ökologie

Fridays for Future zeigt, dass man gegenüber dem Klimawandel nicht machtlos ist. Aber was sollen wir tun? Drei Bücher und ein Atlas machen Vorschläge

Wir leben in einer Eiszeit, denn noch existieren an den Polen und in den Hochgebirgen Gletscher. Dass sich das im Moment dramatisch ändert, das Klima wärmer wird und das etwas mit dem Menschen zu tun hat, darin sind sich fast alle Wissenschaftler einig. Trotzdem wird in der Öffentlichkeit erbittert darüber gestritten, in welchem Maße die globale Erwärmung vom Menschen beeinflusst wird und welche Maßnahmen zu ihrer Eindämmung ergriffen werden sollen.

Dabei stehen sich verschiedene Lager gegenüber: die Aktivisten bzw. Besorgten, die – unterstützt vom umfassenden Bericht des Weltklimarats der UN(IPCC) – davor warnen, dass es zu spät sein könnte, wenn nicht sofort weitreichende Maßnahmen ergriffen würden; die Apokalyptiker, die glauben, dass es für eine Umkehr zu spät ist; und die Skeptiker, die meinen, dass alles nicht so heiß gegessen werden müsse, wie in den Medien gekocht werde, und die infrage stellen, ob der Mensch überhaupt der treibende Motor der Erwärmung sein kann.

Und dann gibt es noch die ­Leugner, die Zahlen und Fakten ignorieren. Sie ­stellen wie alle extremen Minderheiten nicht das Hauptproblem der Debatte dar. Dieses liegt vielmehr in der emotionalen Erhitzung, die jeden, der ein kritisches ­Argument ­einbringt, der Gefahr aussetzt, zum Klimaleugner abgestempelt zu werden, ein Attribut, das schon beinahe mit dem ­Nazivorwurf vergleichbar scheint.

Warum CO2 die Debatte dominiert

Die Klimadebatte auf internationaler Ebene dreht sich vor allem um den CO2-Ausstoß, der auch nach drei Jahrzehnten an Gipfeltreffen und Absichtserklärungen weiter steigt. Angesichts der Verfinsterung der internationalen Beziehungen schwindet die Hoffnung, ihn in angemessener Frist in den Griff zu bekommen. Aber was, wenn wir hier die falsche Diskussion führen? Wenn die Konzentration auf Kohlendioxid eine tiefer greifende Umweltdiskussion verhindert? Diese These vertritt der Kulturphilosoph, Theoretiker der Occupy-Bewegung und Umweltaktivist Charles Eisenstein, Jahrgang 1967, in „Klima. Eine neue Perspektive“, einer gut argumentierten und engagierten Invektive. Dabei bestreitet er ganz und gar nicht, dass der Klimawandel von verstärktem CO2-Ausstoß angeheizt wird, fragt sich aber, ob es klug ist, sich im Kampf um eine gesunde und saubere Umwelt auf diesen Fakt zu konzentrieren. Inwiefern Eisenstein damit bei Mitstreitern und NGOs offene Türen einzurennen versucht, sei dahingestellt, aber in einer breiten öffentlichen Debatte verdienen seine Argumente sehr wohl Aufmerksamkeit.

Viele der Bemühungen, den Klimawandel zu bekämpfen, beruhen auf denselben Annahmen, die uns in den Ruin treiben, lautet seine These. Denn das „Standard-Narrativ“ besage, dass ein Weg gefunden werden müsse, fossile Brennstoffe durch solche zu ersetzen, die weniger oder kein CO2 ausstoßen. Dann könnte man, so die Hoffnung zumindest der führenden Parteien und der Wirtschaft, mehr oder weniger so weitermachen wie bisher.

Die obsessive Konzentration auf fossiler Energie nicht nur von Politikern, sondern auch von Umweltaktivisten, die Eisenstein aus jahrelangen Diskussionen persönlich kennt, führt seiner Meinung nach in die Irre, da auch neue, saubere Quellen den Planeten nicht retten würden, wenn nicht gleichzeitig die Entwaldung, Feuchtlanddrainage, industrielle Landwirtschaft, Wasserkraftwerke und Verstädterung, die die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen, Dürren und Temperaturextremen erhöhen, gestoppt würden. Das dominante Klimawandel-Narrativ lasse all diese Themen als belanglos erscheinen, lenke die Aufmerksamkeit von lokalen Umweltproblemen ab und verlagere sie auf ferne, oft hypothetische Auswirkungen.

Damit aber würden die Ausbeutung der Natur und der Primat von Konsum, Wettbewerb und Wachstum, den nicht nur der Kapitalismus, sondern auch der Kommunismus propagiert hat, nicht mehr hinterfragt.

Das Klima-Narrativ und der Krieg

Für viele Menschen sei der Klimawandel außerdem zu abstrakt, um eine Verhaltensveränderung zu bewirken. „Können Sie in Ihr Auto steigen im Wissen um den Schadstoffausstoß und Ölteppiche und die Geopolitik der Erdölförderung?“, fragt Eisenstein und antwortet: „Ich kann es definitiv, und Sie vielleicht auch.“

Bei der Klimakrise gehe es aber nicht um moralisches Fehlverhalten Einzelner, sondern um Strukturen oder vielmehr das System: „ein Experiment an der Biosphäre, das von technologischer Arroganz, Widerwillen gegen das Infragestellen der Konsumgesellschaft und einem Gefühl getragen wird, den Planeten nach Belieben ummodeln zu dürfen“. Dazu passen etwa Vorschläge, CO2 mittels Geo-Engineering abzubauen, sprich: mit technischen Mitteln die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Oberflächenreflexion der Erde zu verändern, um die Temperaturen zu senken.

Die Fruchtlosigkeit der derzeitigen Debatte – und damit wendet sich der gefragte Redner Eisenstein dezidiert an seine ökologischen Mitstreiter – liege aber auch daran, dass der Klimawandel-Aktivismus nur so von Kriegsmetaphern und -strategien strotze. Das gängige Narrativ laute dabei: „Glauben Sie uns, schlimme Dinge werden geschehen, wenn wir uns nicht beeilen und große Veränderungen vornehmen. Es ist fast schon zu spät; der Feind steht vor den Toren!“ Oder: „Wenn wir diesen Kampf einmal gewonnen haben, dann können wir uns wieder anderen Dingen zuwenden.“ Krieg reduziere – so wie Fundamentalismus – komplexe, wechselseitig verflochtene Ursachen auf eine einfache, externe, genannt Feind. Im derzeitigen Diskurs seien das die Treibhausgase, insbesondere CO2.

Dieses Narrativ mache Umwelt zu einem globalen Thema und lasse nicht nur lokale Probleme, Biodiversität, giftige Abfälle, Bodenerosion oder das Absinken des Grundwasserspiegels als zweitrangig erscheinen, sondern auch soziale Anliegen. Eisenstein setzt dem entgegen, dass die Heilung der Gesellschaft eine Voraussetzung für die Heilung der Natur sei. Denn Angstkampagnen und Feindbilder führten nur zu Abwehr und einer Verhärtung der Fronten, zu dem Gefühl, machtlos zu sein.

Allerdings, so muss man hinzufügen, erschien sein Buch in den USA bereits 2018, bevor es einer Schülerin namens Greta Thunberg und der von ihr ins Leben gerufenen Fridays-for-Future-Bewegung gelang, einer breiten Öffentlichkeit genau diesen Eindruck zu widerlegen. Sie setzt dabei auf die Erzeugung von Angst: „I want you to panic.“ Das Dilemma bleibt also bestehen: Ohne Angst passiert nichts, bei zu viel Panikmache legen viele Menschen Scheuklappen an.

Um die Fronten in der Klimadebatte aufzuweichen, stattet Eisenstein den Skeptikern einen Besuch ab, versucht ihre Argumente ernst zu nehmen und kommt zu dem Befund, dass es erstaunlich sei, wie intelligente Menschen, die alle Informationen aus der Wissenschaft beziehen, zu so dramatisch gegensätzlichen Schlussfolgerungen gelangen können. Aber vielleicht, löckt er auch hier wider den Stachel, braucht es keine wissenschaftlichen Beweise, um zu entscheiden, was zu tun sei. „Selbst wenn ich die Ansicht der Klimaskeptiker teilte, würde das meine Leidenschaft für die Umwelt kein bisschen verringern.“

Die Erde als lebender Organismus

Deswegen schlägt er vor, den Kampf gegen diese aufzugeben und sich darauf zu konzentrieren, einen breiten Konsens zu fördern und die Natur nicht mehr zu dem „Anderen“ zu machen, das kontrolliert und unterworfen gehöre. Um das die westliche Kultur leitende, von ihm so genannte Prinzip der „Separation“ zu überwinden, bringt er die Begriffe „Interbeing“, Verbundenheit, Gemeinschaft, Schönheit, Liebe und Heiligkeit ins Spiel – und setzt sich damit bewusst dem Vorwurf aus, unwissenschaftlich zu argumentieren.

Die Zerstörung der Gesundheit und Selbstregulierungskraft lokaler Ökosysteme, die Eisenstein eindringlich schildert, hält er für noch gravierender als die Erwärmung. Dabei geht es für ihn nicht nur um die Folgen der Industrialisierung, sondern um Ökoschäden, die seit dem „Aufstieg“ der Menschheit vor etwa 5000 Jahren angerichtet wurden. Als neuen Bezugsrahmen schlägt er vor, die Erde als lebendigen Organismus anzusehen – und die Klimakrise als Zivilisationskrise und Initiationsprüfung. „Wenn jede und jeder ihre Liebe, Sorge und ihr Engagement ganz dem Schutz und der Wiederherstellung eines geliebten Landstrichs in ihrer Nähe widmet und gleichzeitig diese Sorge um die unmittelbare Lebensumgebung auch allen anderen zugesteht und respektiert, dann stellt sich die Lösung der Klimakrise von selbst ein.“

Auch wenn das ein bisschen blauäugig erscheint: Lokal tätig zu werden und nicht abzuwarten, bis auf internationaler Ebene Lösungen gefunden werden, kann jedenfalls eine passable Handlungsmaxime für den Einzelnen darstellen. Politik kann sie selbstverständlich nicht ersetzen.

Konkreten Maßnahmen zur Heilung, die eine CO2-Absenkung erreichen, ohne den Kohlenstoff zum Hauptthema zu machen, widmet sich der Schluss des Buchs. Dazu gehören regenerative Landwirtschaft, holistische Weidewirtschaft, Rückkehr von der Stadt zum Land und zur Landwirtschaft, ein weniger kraftintensiver Lebensstil, eine neue Auffassung von Entwicklung, Geldschöpfung mit Negativ-Zins, die Internalisierung ökologischer Kosten, ökonomische Regionalisierung sowie eine Abkehr von Pestiziden. Nur so könne eine andere Form von Teilhabe an der Natur eingeleitet werden, „bei der die Menschheit sich wieder als Verlängerung der Natur, nicht als ihr Gegenteil begreift“. KB

Was sollen wir uns vornehmen?

Jetzt gibt er es also zu! Jonathan Safran Foer, jener New Yorker Bestsellerautor, der in „Tiere essen“ (2009) mit den Folgen der Gier nach Fleisch abrechnete, isst selber welches. In seinem neuen Buch „Wir sind das Klima“ erzählt er, wie er sich auf seinen Lesereisen Burger reinstopfte. „Häufig an Flughäfen. Sprich: Fleisch aus genau der Art Viehzucht, gegen die ich mich am nachdrücklichsten ausgesprochen hatte.“ Ab und zu zwar nur, aber trotzdem.

Ha! Heuchler! Heuchler?

Steck weg deinen billigen Vorwurf, winkt Foers Kollege Bernd Ulrich da ab. Er hat diejenigen schon gefressen, die sich brüsten, zwar mehr Benzin rauszublasen als die Heuchler, aber dafür wenigstens ehrlich zu sein. „Überall da, wo Menschen sich etwas Wichtiges und Großes vornehmen, versagen sie regelmäßig vor ihren Ansprüchen“, schreibt er. „Nur wer sich nichts vornimmt, kann auf alles Heucheln verzichten.“ Und Großes vorgenommen haben sich beide: Foer, 42, bekannt geworden mit seinem Roman „Alles ist erleuchtet“, und Ulrich, Jahrgang 1960, stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter Politik bei der Zeit. Sie wollen der Welt – oder wenigstens Deutschland – in den Arsch treten: Retten wir um Gottes willen, was noch zu retten ist. Auf der Stelle, ab sofort. Denn: „Alles wird anders“, so auch der Titel von Ulrichs Buch, so oder so: Jetzt können wir die künftigen Verhältnisse noch ein bisschen beeinflussen; schnarchen wir noch ein paar Jahre weiter, werden sie uns schlicht überrollen.

Beide geben einen Überblick über das Ungeheure, das auf uns zukommt. Schon ein knappes Verfehlen der Pariser Klimaziele genüge, schreibt Ulrich, um Kipppunkte auszulösen, ab denen sich die Entwicklung beschleunige: ein noch viel schnelleres Abschmelzen der Polkappen; das Auftauen der Permafrostböden in Russland und Kanada, was gigantische Mengen am besonders klimaschädlichem Methan freisetze; der Zusammenbruch des Amazonas-Urwalds. Und damit ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu sieben Meter. Versinkende Küsten, Dürren, unzählige Hitzetote, Hungernde, Durstende, Klimaflüchtlinge. Eine brutale Welt also. Nun ist das alles ja bekannt. Aber warum um alles in der Welt, fragen beide Autoren, tun wir dann nicht mehr?

Der Klimawandel und der Holocaust

Foer versucht es mit der Psychologie. Er, der von einer Familie polnischer Juden abstammt, die großteils im Holocaust ermordet wurde, erzählt die Geschichte des katholischen Widerstandskämpfers Jan Karski, der im Jahre 1943 dem US-Verfassungsrichter Felix Frankfurter, selbst Jude, die Judenvernichtung schildert. Der antwortet: „Ich kann nicht glauben, was Sie mir da erzählen.“ Er meine nicht, dass der junge Mann lüge, aber: „Mein Verstand und mein Herz sind so gemacht, dass ich das nicht akzeptieren kann.“ Er unternahm nichts. Auch Foers Verwandte hätten es nicht geglaubt, nicht wirklich. Bis auf seine Großmutter, die als 20-Jährige alleine flüchtete und so ihr Leben rettete. Manche Wahrheiten, so Foer, seien einfach zu massiv, als dass der Mensch sie akzeptieren könne.

Ulrich sucht ebenfalls nach Erklärungen für unsere Starrheit, wobei er sich auf die Verantwortung der Politik und speziell auf die deutsche Verfasstheit konzentriert. Beim Holocaust landet dabei auch er. Die faschistische Vergangenheit habe dazu geführt, dass in Deutschland „die Mitte“ zum Rezept schlechthin avanciert sei. Was davon abweiche, gelte schnell als extrem und verdächtig. Doch die Magie der Mitte funktioniere nicht mehr: Das Normale sei inzwischen das Extreme. Die zwei Millionen Tiere, die pro Tag in Deutschland geschlachtet werden. Die 40 Millionen Autos, die herumkurven, der „Transport von sieben Zentimeter Penis in zwei Tonnen Stahl“. Die 460.000 Coffee-to-go-Becher, die täglich weggeworfen werden, all die Herumfliegerei: „Es wirkt, nüchtern betrachtet, alles ein bisschen manisch.“

Ulrich seziert all die Ausflüchte und Verwirrspiele: Die spitzen Kommentare über Ökos, die mit ihren Verboten allen Freude und Freiheit rauben wollten. Den Einwand, an die Ärmeren denke wohl wieder niemand, und überhaupt sei doch alles sinnlos angesichts der Massen aufstrebender Chinesen. Die Deutschen, schreibt er, hätten sich „einen wahrhaftigen Kölner Dom des Verdrängens“ gebaut: „prächtig, voller Zierrat, bestückt mit spuckenden kleinen Teufeln – und ständig renovierungsbedürftig“.

Doch spätestens seit den EU-Wahlen im vergangenen Mai sei klar: Die Zeiten des Abwiegelns, des „Pillepalle“, wie Angela Merkel selbst es nannte, seien vorbei.

Rezepte gegen die Erwärmung

Der Widerstand sitzt bereits im Kinderzimmer der eigenen Wohnung. Auch Ulrich, ein früh Ökobewegter, gibt zu, jahrzehntelang nur scheingrün dahingedöst zu haben. Seit 2017 lebt er nun vegan, damit begonnen hat sein Sohn. Stärker in seinen aktuellen inneren Kämpfen zuschauen lässt sich Foer. Ebenfalls Vater, kann er sich selbst kaum verzeihen, dass die Lust auf Fleisch manchmal stärker ist als der Wunsch, seinen Kindern das Leben auf einem ­dystopischen Planeten zu ersparen. Möchte er doch mit seinem Buch der Welt ein Rezept ­gegen die Erderhitzung an die Hand geben, das ­lautet: keine tierischen Produkte vor dem Abendessen.

Der Grund: Das Treibhauspotenzial von Methan, das Rinder und andere Nutztiere ausrülpsen und -furzen, beträgt ein Vielfaches von dem von CO2. Studien geben den Anteil der Viehhaltung am Treibhauseffekt mit 14,5 bis 51 Prozent an. Eine enorme Diskrepanz; Foer hält die 51 Prozent für realitätsnäher: Man müsse schon mit einkalkulieren, wie viel CO2-Absorption durch all die für die Viehherden gerodeten Wälder flöten gehe.

Die weitere Erhitzung lasse sich mit der Umstellung auf überwiegend pflanzliche Ernährung viel schneller einbremsen als etwa mit dem langwierigen Umstieg auf erneuerbare Energien. Doch das werde viel zu wenig angesprochen, weil man wisse: Will man den Leuten an ihr Essen, dann geht es schnell heiß her. Foers Rat: Du musst dir nicht vornehmen, im ganzen Leben keinen Burger mehr zu essen. Es reicht, wenn du dir vornimmst: Heute bestelle ich mal was Veganes. So manche Reaktion auf Foers Buch zeigt, wie sehr er damit einen Nerv trifft. „Mit Gemüse die Welt retten – echt jetzt“?, heißt es spöttisch, und dass er andere Aspekte kleinrede. Doch das trifft nicht zu, denn er sagt: „Es wird nicht reichen, unser Essverhalten zu ändern, um die Erde zu retten, aber es ist unmöglich, die Erde zu retten, ohne unser Essverhalten zu ändern.“

Mit Ulrich ist er sich einig, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man noch Zeit vertun kann mit Fragen à la „Tempo reduzieren oder Häuser dämmen?“ oder „Uns einschränken oder auf neue Technologien setzen?“. Es brauche alles davon, sagen beide. Klingt alles nur nach Verzicht und Schmerzen? Ulrich hat noch etwas anderes, durchaus Vielversprechendes im Talon: Sind wir nicht ohnehin gestresst von all dem „maximierenden Zirkus“? Verspricht nicht ein „Weniger von allem“ eine Menge an Befreiendem und Schönem? „Das Zeitalter der Ökologie wäre dann das Zeitalter der Schonung – von Mensch und Natur: weniger materielle Kompensation für Arbeit, die uns Lebenszeit raubt, weniger Rache an der Natur für Schmerzen, die wir einander antun."

Kirstin Breitenfellner in Falter 41/2019 vom 11.10.2019 (S. 32)

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ISBN 9783462053210
Ausgabe 4. Auflage
Erscheinungsdatum 12.09.2019
Umfang 336 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Format Hardcover
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Übersetzung Stefanie Jacobs, Jan Schönherr
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