Die Achse der Autokraten

Korruption, Kontrolle, Propaganda: Wie Diktatoren sich gegenseitig an der Macht halten - Ausgezeichnet mit dem FRIEDENSPREIS DES DEUTSCHEN BUCHHANDELS
224 Seiten, Taschenbuch
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Themen Gesellschaft und Sozialwissenschaften Politik und Staat Politische Strukturen und Prozesse Totalitarismus und Diktatur
ISBN 9783570555194
Sprache Deutsch
Erscheinungsdatum 28.01.2026
Größe 20 x 12.7 cm
Verlag Pantheon
Übersetzung Jürgen Neubauer
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HerstellerangabenAnzeigen
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Neumarkter Straße 28 | DE-81673 München
produktsicherheit@penguinrandomhouse.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

Wie Xi Jinping, Putin, Chamenei & Co. sich Geld, Macht und Straffreiheit verschaffen und zugleich unsere Demokratie zerstören: Eine hochaktuelle Analyse der neuen autoritären Netzwerke von der Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2024 – mit einem neuen Vorwort Autokratische Herrschaft besteht im 21. Jahrhundert nicht länger nur aus einem Tyrannen an der Spitze, der mit Gewalt sein Volk unterdrückt: Heute werden Autokratien durch ausgeklügelte Netzwerke geführt, es hat sich eine neue internationale autokratische Allianz gebildet, wie Friedenspreisträgerin Anne Applebaum in ihrem Bestseller zeigt. Von China bis Weißrussland, von Syrien bis Russland unterstützen sich Autokraten von heute gegenseitig mit Ressourcen und Equipment made in Iran, Myanmar oder Venezuela: von Propaganda-Trollfarmen und Bots über Investitionsmöglichkeiten für ihre korrupten Staatsunternehmen bis hin zum Austausch modernster Überwachungstechnologien. Applebaum offenbart, wie die Diktatoren der Welt hinter den Kulissen zusammenarbeiten und sich mit aggressiven Taktiken gegenseitig Sicherheit und Straffreiheit verschaffen. Und sie macht deutlich, wie diese autokratische Allianz unsere Demokratie untergräbt. Mit einem neuen Vorwort der Autorin. »Das ist die eigentliche Lehre aus der deutschen Geschichte: Nicht, dass Deutsche nie wieder Krieg führen dürfen, sondern dass sie eine besondere Verantwortung dafür haben, sich für die Freiheit einzusetzen und dabei auch Risiken einzugehen.« (Aus der Dankesrede von Anne Applebaum zum Friedenspreis 2024)

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FALTER-Rezension

Eine für Europa

Tessa Szyszkowitz in FALTER 20/2026 vom 13.05.2026 (S. 16)

Der Judenplatz ist kein Ort für leichte Sätze. Wer hier spricht, spricht in ein Echo hinein. Auf diesem Platz erreichte schon im Jahre 1420 die Verfolgung der Wiener Juden unter dem Habsburger Herzog Albrecht V. einen vorläufigen blutigen Höhepunkt. In der Synagoge auf dem Platz hatten sich Gemeindemitglieder verschanzt. Sie begingen kollektiven Selbstmord. Die übrigen Mitglieder der Gemeinde -mehr als 200 Juden und Jüdinnen -wurden später auf Befehl des Herzogs in Erdberg verbrannt. Als Wiener Gesera ging dieses Pogrom in die Geschichte der Stadt ein.

Die zweite, noch größere Katastrophe kam 500 Jahre später mit dem Holocaust. Rund 65.000 österreichische Jüdinnen und Juden wurden in der Shoah ermordet. Seit dem Jahr 2000 erinnert Rachel Whitereads Mahnmal am Judenplatz an sie: eine Bibliothek, in der die Buchrücken nach innen zeigen, als hätte sich das Gedächtnis hier für immer eingeschlossen.

Vor diesem historischen Hintergrund könnte es einem die Sprache verschlagen. Dieses Jahr aber hält Anne Applebaum am 13. Mai die "Rede an Europa", die seit 2019 die Wiener Festwochen eröffnet. Die US-amerikanisch-polnische Intellektuelle spricht über "The European Moment".

Die Historikerin, 1964 in Washington geboren, hat mit ihrem Buch "Der Gulag" ein Standardwerk über das sowjetische Lagersystem und Stalins Terror geschrieben.

2004 bekam sie dafür den Pulitzerpreis. Sie forschte zur sowjetischen Vernichtungspolitik in der Ukraine und erklärte dem Westen die kommunistische Gleichschaltung Osteuropas. Schon 2008 bezeichnete sie Wladimir Putin als das, als was er sich spätestens 2014 herausstellte: als einen imperialen Autokraten. In ihrem jüngsten Buch "Die Achse der Autokraten" beschreibt sie, wie Diktaturen heute nicht mehr bloß ideologisch, sondern geschäftlich, technologisch und propagandistisch miteinander kooperieren.

Auch in ihrer ersten Heimat, den USA. Unter Trump 2.0 sieht sie politische und finanzielle Korruption in einem alarmierenden Ausmaß wachsen. "Was jetzt in den Vereinigten Staaten passiert, ist dramatischer, radikaler und extremer als alles, was je in Ungarn passiert ist", sagt sie im Interview mit dem Falter. "Denn die Menschen, die Trump umgeben, sind extremer. Sie wenden sich radikal gegen die amerikanische Demokratie."

Viele in Trumps Umfeld, sagt Applebaum, glaubten nicht einmal mehr daran, dass Demokraten ein legitimes Recht hätten zu regieren. Sie sähen sie als radikale linke Bewegung, die beseitigt werden müsse. Dazu kämen die Tech-Bros, die Demokratie am liebsten durch eine Art technologische Autokratie ersetzen würden: Öffentlichkeit als Datenfarm.

Früher hat Applebaum ihre journalistischen Texte in der Washington Post veröffentlicht, heute schreibt sie für The Atlantic. Das liege nicht am neuen Besitzer der Washington Post, Jeff Bezos, betont sie. Aber auch sie treibt die Sorge um die unabhängigen Qualitätsmedien um. "Anders als Viktor Orbán in Ungarn hat Trump keine Europäische Union, die ihn einbremst."

Ersetzt Trump inzwischen Putin in der Hierarchie des Schreckens? "Ich fürchte mich definitiv mehr vor Putin als vor Trump", sagt sie wie aus der Pistole geschossen: "Trump kann zweifellos großen Schaden anrichten, aber das amerikanische System verfügt noch immer über Institutionen, Gerichte und einen Kongress, die ihn einschränken können."

In Russland dagegen gebe es keine "Checks and Balances", keine freie Presse, keine unabhängige Justiz mehr. "Putin führt seit Jahren einen Vernichtungskrieg in der Ukraine, greift gezielt Zivilisten an und errichtet in besetzten Gebieten Regime nach stalinistischem Vorbild mit Konzentrationslagern und Umerziehung."

Anne Applebaum wirkt im Gespräch kontrolliert, fast spröde. Pathos ist ihre Sache nicht. Vielleicht ist diese Beherrschung eine Berufskrankheit der Historikerin. Vielleicht kann sie so ihren Alltag besser verhandeln -immerhin ist ihr Mann ein prominenter Politiker in Polen. Radek Sikorski ist Außenminister und stellvertretender Ministerpräsident von Donald Tusk.

In Polen steht das prominente Ehepaar oft im Kreuzfeuer der Kritik. Mitunter ist sie dann auch mit antisemitischen Angriffen konfrontiert. Denn sie stammt aus einer jüdischen Familie. "Ich verspüre eine tiefe Verbindung zu dieser Geschichte, obwohl ich keine persönlichen, direkten Erlebnisse des Holocaust in der Familie habe", sagt sie. Es erschüttere sie, "wie schnell der Antisemitismus heute zurückkehrt". Das Tabu sei gefallen: Antisemitische Aussagen werden wieder sagbar. "Ich sehe eine rechte Variante, eine linke, eine, die mit Israel zu tun hat, und eine Variante, die direkt mit Verschwörungstheorien über Geld verbunden ist."

Ihre Vorfahren wanderten Ende des 19. Jahrhunderts aus Korbyn im damaligen russischen Reich in die USA aus. Heute liegt das Städtchen in Belarus, zwischen den Weltkriegen war es in Polen. Applebaum ist seit 2013 auch polnische Staatsbürgerin. Einen Teil ihres Lebens verbringt sie in Chobielin-Dwór, auf jenem Gut, das Sikorski westlich von Warschau renoviert hat. Ein Rückzugsort.

Polen ist für sie eine Erfolgsstory. Sie hat sogar ein Kochbuch über die polnische Küche geschrieben. Wenn sie zuhause in Polen ist, erlebt sie allerdings auch die Bedrohung aus Moskau aus nächster Nähe. "Es besteht die reale Sorge, dass Putin die Nato-Allianz bald testen könnte, was Polen durch seine lange Grenze zur Ukraine direkt betreffen würde." Deshalb suche Warschau die enge Zusammenarbeit mit europäischen Partnern, "zumal die USA nicht mehr als der verlässliche Partner gelten, der sie einmal waren".

So ist ausgerechnet die Amerikanerin Applebaum zu einer der heftigsten Fürsprecherinnen Europas geworden: "Europa ist heute in vieler Hinsicht demokratischer als die USA."

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