Im ersten Licht

Roman
416 Seiten, Hardcover
€ 27,80
-
+
Lieferung in 2-5 Werktagen

Bitte haben Sie einen Moment Geduld, wir legen Ihr Produkt in den Warenkorb.

Mehr Informationen
ISBN 9783446282971
Erscheinungsdatum 17.02.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag Hanser, Carl
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ hohe Sicherheit durch SSL-Verschlüsselung (RSA 4096 bit)
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
Kurzbeschreibung des Verlags

Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstreins überwältigender neuer Roman

Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.

Mehr Informationen
ISBN 9783446282971
Erscheinungsdatum 17.02.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag Hanser, Carl
LieferzeitLieferung in 2-5 Werktagen
HerstellerangabenAnzeigen
Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München
info@hanser.de
Unsere Prinzipien
  • ✔ kostenlose Lieferung innerhalb Österreichs ab € 35,–
  • ✔ über 1,5 Mio. Bücher, DVDs & CDs im Angebot
  • ✔ alle FALTER-Produkte und Abos, nur hier!
  • ✔ hohe Sicherheit durch SSL-Verschlüsselung (RSA 4096 bit)
  • ✔ keine Weitergabe personenbezogener Daten an Dritte
  • ✔ als 100% österreichisches Unternehmen liefern wir innerhalb Österreichs mit der Österreichischen Post
FALTER-Rezension

Marzipangesicht aus Marmor

Klaus Nüchtern in FALTER 8/2026 vom 18.02.2026 (S. 28)

Wenn ich nur in der Ferne irgendwo hinter einem Prosahügel die Andeutung einer Geschichte auftauchen sehe, schieße ich sie ab" - bekannte Thomas Bernhard. So martialisch würde es Norbert Gstrein, Angehöriger der friedensbewegten Boomer-Generation, nicht ausdrücken; die Skepsis gegenüber einem naiven, behagliche Ordnung schaffenden Erzählen aber war ihm von Anfang als unhintergehbares Erbe mitgegeben.
An den Beginn seiner Schriftstellerkarriere ist Gstrein nun zurückgekehrt. Am Ende des soeben erschienenen Romans "Im ersten Licht" besucht dessen mittlerweile hochbetagter Protagonist Adrian Reiter eine Lesung des nur halbherzig fiktionalisierten Norbert Gstrein und dient diesem (s)eine Geschichte an.

Die nicht ganz unkokette Volte, durch die Augen der selbst geschaffenen Figur auf sein früheres Ich zurückzublicken - und diesem auch gleich ein bisschen die Leviten zu lesen -, ist freilich bezeichnend für das literarische Unterfangen dieses Autors. Denn seit seinem Debüt, der Erzählung "Einer" aus dem Jahr 1988, in dem die zitierte Begegnung statthat, treibt Gstrein die Frage nach der biografischen Wahrheit um.

In "Die englischen Jahre" (1999) wird die fingierte Identität eines Exilschriftstellers zum Objekt einer Recherche, die keine letztgültigen Antworten zutage fördert. Und ein paar englische Jahre werden auch Adrian Reiter zuteil, wenn dieser als pensionierter Gymnasiallehrer in den Hügeln von Sussex seine Sehnsuchtslandschaft und ein spätes, wenn auch nicht dauerhaftes Liebesglück mit seiner Urlaubsbekanntschaft Vivian findet. Neben offenkundiger Zuneigung verbindet die beiden ein Kriegstrauma, dessen Wurzeln fast ein halbes Jahrhundert zurückreichen. Zum Entsetzen ihrer dauerbesorgten Schwester Veronica will Vivian - von einem zwielichtigen Hobbyhistoriker dazu aufgestachelt -ihren 1917 wegen angeblicher Feigheit vor dem Feind hingerichteten Bruder Teddy rehabilitieren; was für Adrian Anlass ist, davon zu fantasieren, wie er sich an Teddys Stelle in den Schützengräben von Ypern verhalten haben könnte.

Adrian selbst hat eine Beinverletzung, die er einem verirrten oder vorsätzlichen Axthieb seines Vaters verdankt, davor bewahrt, eingezogen zu werden und an der Front zu krepieren oder aber mit grauenhaft verstümmeltem Gesicht nach Hause zurückzukehren -so wie der zunächst nur "Lemberg" genannte junge Mann, dem er 1920 in seiner vermutlich am Wolfgangsee gelegenen Heimatstadt begegnet.

Von der Beziehung zu dem nicht nur körperlich schwer versehrten Spross einer wohlhabenden Adelsfamilie handelt der erste Teil des Romans. Offiziell für tot erklärt, wird Ernest Eller, so sein richtiger Name, ein trauriges Dasein fristen und sich in der zum Versehrtenheim umfunktionierten elterlichen Villa suizidieren -so wie später noch einige seiner ebenfalls entstellten Leidensgenossen. Die aus England stammende Mutter aber wird Adrian unter ihre Fittiche nehmen und ihm, dem Sohn eines kleinen Postbeamten, ein Studium und den sozialen Aufstieg ermöglichen.

All die durch Zufall oder das Zutun anderer bewirkten Wendungen seines Lebens werden von Adrian aber nicht als Glück, sondern eher als Hypothek, Schuld, Versäumnis empfunden. Stets verunsichert und entsprechend passiv in seinem Verhalten wird sein fragiles Selbstbild von den Menschen, mit denen er Umgang pflegt (und in deren Auswahl er nicht unbedingt gesunden Instinkt beweist), eher erschüttert als bestätigt. Das gilt auch und vor allem für den -neben Ernest Eller und Teddy Stephen -dritten, schwer vom Krieg gezeichneten Mann, dem Adrian Reiter begegnet und dem der zweite Teil des Romans gewidmet ist.

Dieser Martin Baumgartner, Sohn eines Hoteliers aus Zell am See, landet als Externer in Adrians Klasse, wo er sich als selbsternannter Militärstratege an seinen Lehrer ranwanzt und sich diesem als dessen "Lieblingsschüler" aufdrängt - wodurch die Glaubwürdigkeit des Romans sowie die Geduld der Leser einer gewissen Belastungsprobe unterzogen werden. Denn einerseits ist das hochtrabende Geschwätz dieses Möchtegernkavalleristen unerträglich, andererseits bleibt unnachvollziehbar, warum Adrian sich diesem penetranten Kerl dermaßen widerstandslos ausliefert.

Wie während einer gemeinsam durchzechten Winternacht des Jahres 1941 angedeutet wird, war Baumgartner womöglich an einem Massaker an der jüdischen Bevölkerung in der heutigen Ukraine beteiligt. Auf die Parallelen der Biografien von Baumgartner und des späteren Bundespräsidenten Kurt Waldheim wird Reiter den Autor des Romans in der eingangs erwähnten Szene hinweisen.

An dem Gewicht, das dem Roman durch all diese Andeutungen und Verweise auferlegt wird, hat dieser schwer zu tragen. Irgendetwas soll wohl bewiesen oder belegt werden, bloß dass man nicht so genau weiß, was. Wie Puppen baumeln die Figuren aus dem Schnürboden dieses sprachlich überraschend schludrigen Romans und geben viele verstiegene und verquaste Sätze von sich. Und auch dem Erzähler entgleisen immer wieder die Vergleiche und Metaphern, etwa, wenn es von einem stark karikaturhaft gezeichneten Monsignore heißt, er habe ein "Marzipangesicht wie aus feinstem Marmor".

weiterlesen
Über den Autor

Norbert Gstrein, geboren 1961 in Tirol, absolvierte ein Studium der Mathematik in Innsbruck und studierte auch in Stanford und Erlangen. Sein Debüt machte der Schriftsteller mit der Erzählung "Einer", welche 1988 veröffentlicht wurde. Zu weiteren seiner erfolgreichen Werke zählen unter anderem "Andertags", "Die kommenden Jahre", "Eine Ahnung vom Anfang" und "Die ganze Wahrheit". Zuletzt erschienen die beiden Romane "Als ich jung war" und "Der zweite Jakob". Gstrein wurde bereits vielfach ausgezeichnet, so mit dem Alfred-Döblin-Preis, dem Uwe-Johnson-Preis und dem Österreichischen Buchpreis. Er lebt in Hamburg.

Alle Bücher von Norbert Gstrein