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| ISBN | 9783709934142 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 30.05.2023 |
| Genre | Belletristik/Briefe, Tagebücher |
| Verlag | Haymon Verlag |
| Herausgegeben von | Alfred Schmidt |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
LUDWIG WITTGENSTEIN: PHILOSOPH, MENSCH, LIEBENDER
Ludwig Wittgenstein zählt zu den BEDEUTENDSTEN PHILOSOPHEN DES 20. JAHRHUNDERTS. Sein „Tractatus logico-philosophicus“ und seine „Philosophischen Untersuchungen“ haben die Geschichte der modernen Philosophie grundlegend verändert. Auch wenn über den Philosophen Wittgenstein viel bekannt ist: weniger greifbar ist er als Mensch. Als MENSCH, DER LIEBEN KANN UND WILL: Es ist Herbst – der erste nach Ende des Zweiten Weltkriegs – als Ludwig Wittgenstein in CAMBRIDGE den MEDIZINSTUDENTEN BEN RICHARDS KENNENLERNT. Die darauffolgende BEZIEHUNG DER BEIDEN wird das Leben des Philosophen bis zu seinem Lebensende prägen. 374 erhaltene BRIEFE Ansichtskarten und Telegramme aus den Jahren 1947 bis 1951 sind stille, aber bewegende Zeugen dieser LIEBE UND TIEFEN FREUNDSCHAFT.
BRIEFE ALS QUELLE DES GLÜCKS – UND DER UNSICHERHEIT
Wenn Wittgenstein etwas Schönes sieht, möchte er es mit Richards teilen. Wenn er ein Musikstück hört, das ihn besonders beeindruckt hat, empfiehlt er es Richards in der Hoffnung, dass er beim Hören an ihn denkt. Er schickt ihm Blumen, um seinen Tag zu erhellen. Die Liebe der beiden zueinander ist BEGLÜCKEND, der Briefwechsel Herzensnahrung. Doch kaum ist ein Brief an Richards geschrieben, folgt für Wittgenstein die Marter: das WARTEN AUF DIE ANTWORT. Die STÄNDIGE ANGST vor dem Ende einer Beziehung zu einem jüngeren Mann beherrscht und belastet ihn.
WAS BEDEUTET ES, IM 20. JAHRHUNDERT ALS MANN EINEN MANN ZU LIEBEN?
Wittgenstein unterbricht seine Arbeit in dieser Zeit oft spontan, um über seinen seelischen Zustand und sein Verhältnis zu Ben Richards zu reflektieren. Die Gedanken zu Richards notiert er fast durchwegs in einem von ihm gebrauchten Code: Jemand, der einen Blick auf die Notizen wirft, soll den Inhalt nicht erfassen können. Wittgensteins Briefe an Richards geben Einblick in die INDIVIDUELLE LIEBESGESCHICHTE ZWEIER MENSCHEN. Sie sind aber auch ein ZEUGNIS ÜBER DIE LIEBE ZWISCHEN ZWEI MÄNNERN IN EINER ZEIT, IN DER DIESE LIEBE NICHT GEDULDET WURDE.
| ISBN | 9783709934142 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 30.05.2023 |
| Genre | Belletristik/Briefe, Tagebücher |
| Verlag | Haymon Verlag |
| Herausgegeben von | Alfred Schmidt |
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Herbert Hrachovec in FALTER 33/2023 vom 16.08.2023 (S. 31)
In alter Zeit wurden gegenseitige Treffen und gemeinsame Unternehmungen oft über die Post vereinbart. Ein Briefwechsel dieser Art, zwischen dem Wiener Philosophen Ludwig Wittgenstein und einem jungen Medizinstudenten, ist erhalten geblieben und kürzlich veröffentlicht worden. Wittgenstein war ein geübter Briefschreiber, doch nur in diesem Fall hat er jahrelang - bis zu seinem Tod 1951 im englischen Cambridge - mit "In Liebe, Ludwig", bisweilen mit "Ich denke immer, in Liebe, an dich", unterschrieben.
Ben Richards, der Empfänger, hatte die Veröffentlichung der Briefe testamentarisch bis 2020 gesperrt. Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) erwarb 1995 und 2021 den gesamten Bestand. Deren wissenschaftlicher Mitarbeiter Alfred Schmidt übersetzte und kommentierte die Texte mit umsichtiger Sorgfalt; eine Publikation der englischen Originale ist in Vorbereitung.
Der Briefwechsel liest sich über weite Strecken wie das Chatprotokoll eines Liebespaares mit wechselndem Wohnsitz und beträchtlichem Altersunterschied. Auf der einen Seite ein 57-jähriger Jahrhundertdenker, auf der anderen ein angehender Arzt im Prüfungsstress, der gerade seine ersten Spitalserfahrungen macht.
Wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sich die beiden in Cambridge kennengelernt, als Richards die Vorlesungen Wittgensteins besuchte. Die darauffolgende Beziehung wird dessen letzte Lebensjahre prägen. Ihre Verabredungen, Geburtstags-und Feiertagswünsche bestimmen den Rhythmus der Botschaften.
Herausgeber Schmidt hat sie, mit Unterstützung von Gabriel Citron, in einem instruktiven Anmerkungsteil in den Lebenszusammenhang der Briefpartner eingepasst. Vor dem Hintergrund der Alltagsplanung dieser Liebesbeziehung heben sich drei philosophisch ergiebige Schwerpunkte ab. Schlagwortartig: Dummheit, Liebe und Ehrlichkeit.
Der deutsche Rezensent Helmut Mayer spricht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Blödeleien an, die sich an vielen Stellen des Bandes finden, eine treffende Beobachtung. Es beginnt damit, dass Wittgenstein am 8. September 1946 eine Reklameseite für Küchenherde mit Reiseanweisungen und folgender Erklärung an den Freund schickt: "Mein lieber Ben, das ist mein neues Briefpapier. Ich habe es speziell für unsere Korrespondenz anfertigen lassen." Und endet auf der vorletzten Seite des Bandes mit einer Weihnachtskarte an Bens Schwester.
Wittgenstein zeichnet ein Miniaturhaus, ein winziges schwarzes Quadrat als Dachfenster, und erläutert: "Wenn Du ganz genau hinschaust, also ganz genau hinschaust, kannst Du sehen, wie ich aus einem der Fenster blicke." Solche Späße sind, gegen den Anschein, nicht bloß schmückende Beigaben. Wittgenstein sagt es in ironischem Ton, doch es steckt mehr dahinter. Er sei ein Feinschmecker und denke gerne etwas absolut Dummes, "bevor ich etwas ungeheuer Intelligentes denke, nur um den Kontrast zu genießen".
Mit der Liebe hingegen ist es ihm bitterernst. "Siehst Du -ich bin sehr abhängig von Dir, das ist das Problem." "Alles, denke ich, ist einer einseitigen Beziehung vorzuziehen " So verbindet sich Liebe mit Ehrlichkeit. Für die Wittgenstein-Biografik mögen diese Briefe neuen Stoff bieten. Wittgensteins emotionale Betroffenheit lässt sich aber auch mit seiner philosophischen Arbeit in Verbindung bringen.
In seinem "Tractatus logico-philosophicus", einem Hauptwerk radikaler Sprachanalyse, findet sich die erstaunliche Behauptung, alle Sätze unserer Umgangssprache seien "so, wie sie sind, logisch vollkommen geordnet". Demnach ist nichts an ihnen auszusetzen. Warum sollte man sie also formal zergliedern, wie das die Sprachphilosophie macht?
Diese Unstimmigkeit findet sich auch in Wittgensteins Privatleben. Als Ben Richards sich einen Bart wachsen lässt, ist Wittgensteins Ablehnung prompt und kategorisch: "Dein Gesicht ist kein Modeartikel wie ein Hut oder eine Krawatte, die man ändert, wenn man sie satthat." Und das, obwohl er unablässig hervorhebt, wie glücklich ihn die bloße Anwesenheit des Freundes macht.
Auf der einen Seite kann es weder für Logiker noch für Liebende Extrawürste geben. Nach seinem Verständnis stehen sie im Einvernehmen mit ihrer Umgebung. Andererseits bricht der Philosoph in heiligen Furor aus: "Was jenseits der Grenze liegt, wird einfach Unsinn sein" (Tractatus). Ähnlich im Brief vom 10. September 1949 an Richards: "Dein Gesicht ist etwas Heiliges für die Person, die Dich liebt." Anti-elitär und anmaßend, im Denken wie im Leben. Billiger gibt Wittgenstein es nicht.

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