Keiner von euch
Roman

von Felix Mitterer

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Verlag: Haymon Verlag
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Historische Romane, Erzählungen
Umfang: 344 Seiten
Erscheinungsdatum: 26.01.2021


Rezension aus FALTER 23/2020

Mitterer-Roman: Wohlige Schauer des Schreckens

Als Dramatiker und Drehbuchautor zählt Felix Mitterer zu den erfolgreichsten österreichischen Schriftstellern. Nun hat er sich erstmals an einem Roman versucht. „Keiner von euch“ basiert auf der Lebensgeschichte des „hochfürstlichen Mohren“ Angelo Soliman (1721–1796).

Zunächst als Sklave aus Afrika nach Italien verschleppt, avancierte dieser in Wien als Diener zum Spielzeug des Hofstaats. Durch seine Intelligenz brachte er es in der Zeit Kaiser Josephs II. bis zum Logenbruder Mozarts. Nach dem Tod – Soliman erlag einem Schlaganfall – wurde er wie ein exotisches Tier ausgestopft und in der Kuriositätensammlung des Kaisers ausgestellt.

Mitterers Helden sind oft Außenseiter. Verständlich also, dass ihn dieser Stoff gereizt hat. Soliman zeichnet er als ewigen Fremdkörper, der bestaunt und von den Frauen begehrt, aber nie ganz akzeptiert wird. Bei der Umsetzung griff Mitterer jedoch daneben: „Keiner von euch“ ist über weite Strecken eine Ansammlung spekulativer Sex- und Gewaltszenen und liest sich wie das Drehbuch zu einem Exploitation-Film.

Schon auf der ersten Seite peitscht Solimans Tochter Josephine ihren „nackten Rücken“ mit der neunschwänzigen Katze selbst aus: „Beißender, stechender Schmerz. Ganz warm fühle ich es am Rücken hinunterrinnen. Mea culpa! Recht geschieht mir.“ So liest sich Kolportageliteratur, der es nicht um Erkenntnisgewinn geht. Sie will dem Publikum in erster Linie wohlige Schauer des Schreckens bescheren.

Viel besser wird es nicht. Atemlos hetzt Mitterer von Szene zu Szene. Die Perspektive wechselt zwar immer wieder, an Sprache und Ton ändert das jedoch kaum etwas. Am Inhalt sowieso nicht: Es wimmelt nur so vor Dirnen, Kinderschändern, Vergewaltigern, Blut und Intrigen; und im Verborgenen zieht ein irrer Wissenschaftler als Superschurke die Strippen. Gut: Übertriebene Klischees können mitunter dazu dienen, Klischees zu entlarven. Allerdings müsste der Autor dafür eine Haltung zu seinem Stoff entwickeln.

Sebastian Fasthuber in FALTER 23/2020 vom 05.06.2020 (S. 28)


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