Das ist Alise
Novelle

von Jon Fosse

€ 18,50
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Übersetzung: Hinrich Schmidt-Henkel
Verlag: mareverlag
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 120 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.09.2003

Rezension aus FALTER 46/2003

Der norwegische Dramatiker Jon Fosse ist der Kjetil-Andre Aamodt des Theaters: ein perfekter Techniker, sehr erfolgreich und extrem wortkarg. Aber so wenig die Personen in seinen minimalistischen Stücken sagen, so viel geht den Helden von Fosses Prosa durch den Kopf. Wie sein Opus magnum "Melancholie" und der kurze Roman "Morgen und Abend" ist auch die Novelle "Das ist Alise" buchstäblich aus dem Inneren der Erzählerfigur heraus erzählt: In einem von keinem einzigen Punkt unterbrochenen inneren Monolog erinnert sich eine Frau namens Signe an jenen Novembertag des Jahres 1979, als ihr Mann Asle in seinem kleinen Boot wieder einmal auf den Fjord hinausgefahren und nicht mehr zurückgekommen war. Der zwischen verschiedenen Zeiten und Perspektiven mäandernde Erinnerungsstrom führt zurück bis zu Asles Ururgroßmutter Alise und deren ebenfalls Asle getauftem Enkelkind, das schon mit sieben ertrunken ist. Für Fosse-Kenner bietet das schmale Büchlein wenig Neues, für neblige Novembernachmittage aber ist es sicher eine passende Lektüre. Während der Sound von "Das ist Alise" wie eine der weniger inspirierten CDs aus dem Hause ECM klingt, wurde der Kurzroman "Sich lieben" von Le Soir mit einem "langen Saxophonsolo" verglichen. Der Belgier Jean-Philippe Toussaint erzählt von der Schlussphase einer leidenschaftlichen Liebe: Der Erzähler begleitet seine Noch-Geliebte, die Modekünstlerin Marie, zu einer Ausstellungseröffnung nach Tokio, was vermutlich keine besonders gute Idee war, jedenfalls aber zum wohl definitiven Ende der Beziehung führt. Das Setting (verlorene Menschen in japanischem Luxushotel) erinnert an den Viennale-Eröffnungsfilm "Lost in Translation", nur dass in "Sich lieben" halt nicht Bill Murray mitspielt. Ein merkwürdiges Buch, kühl und romantisch zugleich, vielleicht mehr Tindersticks-Song als Saxophonsolo.

Karin Chladek in FALTER 46/2003 vom 14.11.2003 (S. 78)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Sich lieben (Jean-Philippe Toussaint, Bernd Schwibs)

Rezension aus FALTER 41/2003

Zum ersten Mal legt der marebuchverlag einen Bestsellerkandidaten vor: "Rausch" von John Griesemer wurde in den USA heuer von den "Independent Booksellers" als eine der zehn besten Neuerscheinungen bezeichnet und mit Dava Sobels Sensationserfolg "Längengrad" verglichen. Ebenso wie in "Längengrad" steht die Lösung eines technisch-wissenschaftlichen Problems im Zentrum des historischen Romans: die Verlegung des ersten transatlantischen Telegrafenkabels zwischen Europa und Nordamerika, ein gewaltiger Schritt in Richtung globale Kommunikation.

Der US-amerikanische Ingenieur Chester Ludlow, der sich dem Riesenprojekt verschrieben hat, geht mit einer Theatertruppe auf Reisen, um Geld für das immer wieder scheiternde Vorhaben einzuspielen. Währenddessen versucht sich seine Frau Franny in einer anderen Form der Kontaktaufnahme: dem Spiritismus. Griesemers kraftvoller, atmosphärischer Roman, in dem er neben den erfundenen Protagonisten auch historische Persönlichkeiten wie Karl Marx und Abraham Lincoln als "Statisten" agieren lässt, schreit geradezu nach einer Verfilmung.

Nikolaus Hansen hat "Rausch" (im US-amerikanischen Original "Signal and Noise") als erstes Buch für den neuen marebuchverlag eingekauft, noch bevor der Roman einen US-amerikanischen Verlag gefunden hatte - ein ungewöhnlicher Deal, auf den Hansen hörbar stolz ist. Dennoch möchte er neben diesem Spitzentitel die anderen mare-Neuerscheinungen nicht vernachlässigt wissen; unter denen befindet sich der außergewöhnliche Reiseroman "Passage nach Juneau" von Jonathan Raban ebenso wie drei Neuerscheinungen im Rahmen der "marebibliothek": Der norwegische Erfolgsautor Jon Fosse legt mit "Das ist Alise" die Geschichte einer mit der Fjordküste verbundenen Familie vor, Alban Nikolai Herbst erzählt in "Meere" eine Amour fou zwischen Berlin, Sizilien und Polen, und mit "Afghanistan Picture Show" erscheint zum ersten Mal ein Werk des bekannten US-Schriftstellers William T. Vollmann auf Deutsch.

Karin Chladek in FALTER 41/2003 vom 10.10.2003 (S. 23)


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