Die letzten Tage der Menschheit

Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Franz Schuh
Einem „Marstheater“ hat Karl Kraus seine Weltkriegstragödie zugedacht – weil sie mit ihren über 200 Szenen nicht nur im Umfang über jede menschliche Vorstellung hinausgeht. Die Tragödie findet hier nicht nur auf dem Theater statt, sie ist eine Katastrophe von apokalyptischen Dimensionen, der Untergang der Welt in einer „Extraausgabee“. Und so endet der Krieg, gegen den Karl Kraus mit satirischem Furor und moralischer Beschämung Krieg geführt hat, hier nicht mit einem Frieden: „Dieser nicht.“ Denn: „Er hat sich nicht an der Oberfläche des Lebens abgespielt, sondern im Leben selbst gewütet. Die Front ist ins Hinterland hineingewachsen. Sie wird dort bleiben.“ Und Karl Kraus spürt ihrem Verlauf nach: in der Presse wie im Militärkommando, im Café wie am Schlachtfeld, im Wurstelprater wie vorm Kriegsgericht und vor allem in dem von Chauvinismus und Gewissenlosigkeit verseuchten Denken und Sprechen seiner zeitgenossen. Aus Erfundenem wie Gefundenem gestaltet Karl Kraus ein großes Panorama des Schreckens, den tragischen Karneval einer Menschheit im Vernichtungsrausch: ein literarisches Fanal, Mahnmal und Monument.

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FALTER-Rezension

Immer noch die letzten Tage

Franz Schuh und Armin Thurnher im Gespräch über Karl Kraus – und wie man mit seinem Werk umgehen soll

Ob sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs gerade zum 100. Mal jährt oder auch in praktisch jeder anderen Lage: Um das, was Karl Kraus geschrieben hat, kommt man praktisch nicht herum.
Bei Jung und Jung sind gerade "Die ­letzten Tage der Menschheit", nach seiner Zeitschrift Die Fackel wohl Kraus' zweitwichtigstes Werk, mit einem Nachwort von Franz Schuh erschienen. Aus diesem Anlass sprach der Essayist mit Armin Thurnher über die Bedeutung von Karl Kraus damals und heute.

Falter: Was kann man als Autor von Karl Kraus lernen?
Franz Schuh: Man kann von Kraus alles und nichts lernen. Alles heißt: Man kann durch sein Werk die Sprache kennen lernen. Sowohl Ästhetisches als auch Intellektuelles ist in der Sprache selbstverständlich enthalten. Man kann es ihr entnehmen, wenn man in der Lage ist, sie zu bedenken. Zugleich hat Kraus vor Augen geführt, dass die Verletzung der Sprache eine Verletzung der menschenmöglichen Moral ist. Im Sprachdenken kommt zur Logik und zur Ästhetik noch die Ethik hinzu. Bestimmte Sprechweisen, das lernt man von Kraus, sind bestimmte Handlungsweisen. Die Differenz zwischen Reden und Handeln ist nur vorläufig. Am Ende werden sie so handeln, wie sie sprechen. Das zeigt die Fackel, das zeigt Kraus' Werk.
Armin Thurnher: Vielleicht sollte man zwei Dinge ergänzen. Das eine ist das Prozesshafte im Kraus'schen Sprachgebrauch – dass er immer auch ein Verfahren durchführt und über jemanden zu Gericht sitzt. Das andere ist mit großer Vorsicht zu genießen, macht aber Karl Kraus sehr faszinierend – sich der Sprache auszuliefern. Er hat es so ausgedrückt: "Ich beherrsche die Sprache nicht; aber die Sprache beherrscht mich vollkommen." Was man von ihm lernen kann, ist nicht, ihn nachzuahmen, sondern das eigene Sprachgewissen zu verfeinern.
Schuh: Man kann nichts von ihm lernen – damit meinte ich die Versuchung, ihn nachzuahmen. Es gilt ja für alle Großen in der Literatur: Durch die Begeisterung, die sie auslösen, hat man das Gefühl, dass es überhaupt nicht anders geht, als die das machen. Bei Kraus entsteht für den leidenschaftlichen Leser eine charakteristische Doppelbindung: Einerseits hat man das Gefühl, so klingt das einzig Wahre. Und zugleich ist Kraus der, von dem man weiß, dass er sich den Ton verbittet: Er gehört ihm allein.

Wichtig für Kraus ist ja der Begriff Persönlichkeit.
Schuh: Kraus war ein Anhänger des Persönlichkeitsideals. Die eigene Persönlichkeit (heutzutage neigt jede eigene Persönlichkeit zum Zerfall, zur Auflösung in heterogene Rollen) ist am Ende das, was im Kampf gegen die Scheinpersönlichkeiten zählt. Zur Nachahmung nicht empfohlen: "Nichts trostloser als seine Adepten", hat Walter Benjamin über Kraus gesagt, "nichts gottverlassener als seine Gegner." Diesem Aphorismus kann man eines ablesen: Die Auseinandersetzung mit Kraus ist kein Spiel, sie hat eine Härte, bei der vieles auf dem Spiel steht. Er ist kein Autor, bei dem man gefahrlos in die Schule gehen kann, er ist einer, bei dem man viel verlernen und verspielen kann – einschließlich der eigenen Persönlichkeit.
Thurnher: Das Anziehende an ihm und seiner Persönlichkeit ist, dass er sie hat und gleichzeitig mit ihr spielt wie ein Schauspieler. Von ihm stammt der Satz: "Was ich schreibe, ist geschriebene Schauspielkunst." Weiters macht ihn seine genaue Fähigkeit des Hörens unglaublich attraktiv. Er konnte Dinge so erfinden, als hätte jemand anderer sie wirklich so gesagt, vielleicht sogar besser. Diese Genauigkeit regt zum Nachäffen an, auf das man sich allerdings nicht einlassen darf.

Sie haben beide von Kraus gelernt. Wie entgeht man der Gefahr, zu einem Kraus-Jünger zu werden?
Schuh: Jüngerschaft ist etwas Verdammenswertes, weil sie ja impliziert, der Jünger bekäme für sein Treiben den Segen seines Herrn. In dieser Darstellung zeigt sich eines der neurotisierenden Probleme: Man neigt Kraus gegenüber entweder zur Unterwürfigkeit, die man kompensiert, indem man ihn nachahmt. Oder man zieht gleich die bloße Unterwürfigkeit vor und wagt nicht einmal mehr die Imitation. Oder man wird in einer Art und Weise vom Original abhängig, die man selber nicht durchschaut. Sollte das in meinem Schreiben der Fall sein, muss ich auf die Liste der Verdammten!
Thurnher: Ich kann für mich in Anspruch nehmen, dass mich Franz Schuh früh genug explizit gewarnt hat: Man müsse die Schule des Karl Kraus durchlaufen, dürfe sie aber keinesfalls als dessen Jünger verlassen. Ich war zum Teil gefährdet. Kraus hatte seine Jünger, die er durchaus nicht von sich gewiesen hat. Und er hatte einen manichäischen Gestus, jene einzugemeinden, die mit ihm übereinstimmten, und jene, die er zurückwies, so abzuweisen, dass sie im schlimmsten Fall vernichtet waren.
Schuh: Kraus hatte aber nicht nur Feinde, die Idioten waren. "Lange vor den Diktatoren", schrieb Robert Musil, "hat unsere Zeit die geistige Diktatorenverehrung hergebracht", und er nannte Karl Kraus namentlich. Es war erkennbar: Wenn man das gefährliche Spiel und diese Spracherotik, die man von Kraus lernen kann, mit einer bestimmten Haltung verbindet, gerät man schnell ins Angeführtwerden. Kraus schrieb in einer Tradition des Triumphes, die er zum Großteil selbst erfunden hat – in der der polemischen Satire. Er beherrschte auch die rosa Satire, aber seine Stärke war die schwarze. Ich verstehe unter Polemik die Kunst, einen Gegenstand, einen Menschen zu definieren, indem man ihn total ablehnt. Bei einer phänomenologischen Meditation ist das Urteil sekundär. Bei der Polemik wird das Urteil zur Hauptsache, ohne dass dabei das analytische Potenzial des Denkens (zum Beispiel durch Wutanfälle) aufgegeben würde.
Thurnher: Ich glaube, dass dieses begründete Urteilen von seinen Vorlesungen und von seinem Theater der Dichtung schwer zu trennen ist. Man macht sich heute kaum einen Begriff von der Bedeutung, die Karl Kraus damals literarisch hatte. Aus gegenwärtiger Perspektive würde man ihn eher als Randerscheinung bezeichnen. Zu seinen Lebzeiten war er für die literarische Welt eine zentrale Figur – nicht nur in Wien, sondern in Europa. Und zwar nicht nur wegen der Fackel, sondern auch wegen seiner Vorlesungen. Er knüpfte mit seinem Bekenntnis zu einem deklamatorischen Pathos an die Tradition des alten Burgtheaters an. Auch die Modernisten der Zeit hat das ergriffen. Nach übereinstimmendem Zeugnis von Canetti, Adorno, Broch oder Schönberg kam da eine Kraft herüber, der man fast wehrlos ausgeliefert war.
Schuh: Die Menschen zu seinen Lebzeiten waren stets damit konfrontiert, dass etwas Überraschendes von ihm kam. Sie haben ja nicht wissen können, was in der nächsten Fackel drinstand. Aus der Berechenbarkeit der "Marke" und aus ihrem eingespielten Überraschungspotenzial entstand eine Erwartung, eine Spannung, die heute Geschichte ist. Darum können wir uns relativ leicht distanzieren. Die Fackel ist ein Teil unseres Kulturguts, damals war sie eine schmerzhafte Spitze gegen die Kultur. Wobei "schmerzhaft" auch Gefahr bedeutet. Canetti hat es beschrieben, wie diese Vorlesungen Hetzmeuten produziert haben. Heute ist es dieser widerwärtige Journalismus, der täglich irgendeine andere – um es widerwärtig journalistisch zu sagen – Sau durchs Dorf treibt. Das ist in den Angriffen der Fackel auch passiert, allerdings auf einem unerreichbaren ästhetischen (und auf einem nachvollziehbaren moralischen) Niveau.
Thurnher: Hetzmeuten waren eine Zeiterscheinung. Zum Beispiel hat auch Anton Kuh in seinem polemischen Vortrag gegen Kraus eine Hetzmeute mobilisiert. Vorlesungen waren damals, in Abwesenheit der technischen Medien von heute, ein ganz anders wirksames Medium. Kraus hat dieses Genre wie kein anderer beherrscht. Ich kenne keinen anderen Schriftsteller, der eine so zentrale Wichtigkeit für die damalige Zeit gehabt hätte wie er.
Schuh: Man darf nicht vergessen, dass diese Wichtigkeit durch eine Gegenmaßnahme relativiert wurde – durch das sogenannte Totschweigen. Viele der Artikel, die in der Presse zu lesen waren, handelten von Kraus, ohne dass er vorkam. Er schuf einen Horizont, in dem seine Feinde sich selbst verteidigten, ohne den Angreifer zu nennen. Das ist eine satirische Meisterleistung. Die berühmte Rede von Anton Kuh gehört zum Jämmerlichsten, was die österreichische Intelligenz je hervorgebracht hat. Sie war die Reaktion eines Menschen, der für die Drecksblätter arbeitete, und der das, um sich selbst zu retten, mit allen Mitteln verteidigt hat.
Thurnher: Diese Békessy-Zeitungen wurden damals als Zeichen des Modernismus genommen.
Schuh: Waren sie auch.
Thurnher: Ähnlich wie die Fellner'schen Illustrierten, die in Österreich ebenfalls als Zeichen der Modernität empfangen wurden. Man hat versucht, die moralischen Einwände von Kraus gegen diese Publizistik als altmodisch hinzustellen. Diese Auseinandersetzung ist von erstaunlicher Aktualität. Schon Jahre vor dem Auftreten des Imre Békessy in Wien prägt Kraus in den "Letzten Tagen der Menschheit" den Begriff des Revolverjournalisten und schildert erpresserische Praktiken, die später tatsächlich angewendet wurden.
Schuh: Kraus war ein radikaler Gegner des Liberalismus, auch weil der Liberalismus die Kommerzialisierung der öffentlichen Kommunikation eingeführt hat: Sprache und Sprechen müssen Geld bringen. Das war für Kraus einer der Gründe, den Liberalismus zu hassen. Das Werden der Sprache zur Ware war eine der großen Fronten, an denen er gekämpft und siegreich verloren hat. Verloren, denn dieser ganze Mist, gegen den sich niemand wehren kann, blüht und blüht. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen durch diese Ausgeburten "Die letzten Tage der Menschheit" hindurchscheinen.
Thurnher: Was ich als Publizist an dem Modell Fackel interessant finde, ist weniger, dass es möglich wurde, weil Kraus aus reichem Hause kam, sondern dass er sich Inseraten verweigert hat. Er hat auch zu seiner Leserschaft eine besondere Beziehung unterhalten und sich herausgenommen, wenn zum Beispiel eine Leserin einen besonders hassenswerten Brief über Rosa Luxemburg geschrieben hat, ihr das Abonnement zu entziehen. Was eine ganz vernünftige Überlegung, aber unter heutigen Verhältnissen fast undenkbar ist. Ich würde mir ganz gerne leisten können, verschiedenen Leuten auch den digitalen Zugang zum Medium entziehen zu können.

Wie geht man mit einer Erscheinung wie Karl Kraus nach seinem Tod um? Vieles an ihm wirkt aus heutiger Sicht doch sehr fremd.
Schuh: Man hat mit Kraus gemacht, was man mit allen anderen auch macht: Den meisten sind sie gleichgültig. Sonst versucht man sich mit der Fremdheit zu verbünden und sich die Fremden anzueignen. Aber das Fremdsein von Kraus heißt nicht, dass er beziehungslos in der geistigen Landschaft herumsteht. Er ist in dieser Einzelheit ein renitenter Spiegel für die anderen.
Thurnher: Er ist das publizistisch ganz Andere.
Schuh: Wir leben in einem Zeitalter der affirmativen Kultur. Die Kultur dient in der Hauptsache dazu, die Beschädigungen und Konflikte in der Politik und der Ökonomie zu verschönern, zu idyllisieren und zum Schein aufzuheben. Für Kraus gilt, dass er keinen tröstlichen Überbau geschaffen hat, sondern dass seine Texte in das Herz der ökonomischen und politischen Dinge trafen. Dort, wo eine Gesellschaft sich selber wehtut, ist seine Polemik anzutreffen. An so einem Ort ein Bollwerk zu errichten und es auch noch Fackel zu nennen, ist eine grandiose Einmaligkeit, die uns fremd ist.
Thurnher: Fremd ist auch diese Unbedingtheit des Urteils, die nicht einer Weltanschauung geschuldet ist, sondern sich aus dem jeweiligen Sachverhalt und aus dem jeweiligen Verhalten der Person ergibt. Es kann das Schwert des Urteils über einen herniedergehen, der bisher ein Freund des Hauses war. Das führt dazu, dass die politischen Urteile des Karl Kraus teilweise unnachvollziehbar erscheinen. Er hat über Franz Ferdinand einen freundlichen Nachruf nur deshalb geschrieben, weil dieser nicht auf die journalistischen Schmöcke gehört hätte. Das geht bis zu Dollfuß, den Kraus als letztes Bollwerk gegen Hitler verstanden hat, weil er von den Sozialdemokraten enttäuscht war. Diese Urteile erscheinen uns vollkommen inkonsistent und halten ihn uns auch fremd.

Bisweilen wurde Kraus auf seine Sprachkritik reduziert. Mir zumindest ist er im Germanistikstudium so vermittelt worden.
Schuh: Ja, wir haben eine Welt. Man sieht es, wenn man aus dem Fenster schaut: Unten ist ein indisches Restaurant und wir wissen, was wir im Kopf haben, ist nicht identisch mit der Welt da draußen. Dieses Kopfbild ist ja kein indisches Restaurant. Und doch haben wir die Welt, die wir da draußen sehen, im Kopf. In diesem Kopf ist auch die Sprache. Sie bildet das, was wir von der Welt wissen, mitteilsam in unserem Kopf ab. Sprachkritik heißt bei Kraus nicht Fokussieren auf die Sprache als herausgehobenem Fetisch. Es heißt den Zugang, den wir zur Welt haben, zu erkennen, zu erforschen, zu erproben und mit der Sprache auch was zu machen: Poesie zum Beispiel.
Thurnher: Sprachkritik nicht als Sprachpolizei.
Schuh: Oder Fetischisierung von Sprache. Wenn man die Fackel liest, geht es mit der Sprache um die Welt.
Thurnher: Wobei viele Leute, die als Sprachpolizisten auftreten, sich gerne krausianisch verkleiden. Davor muss gewarnt werden. Kraus' Sprachkritik enthält ja seine große Kritik der Phrase als eine Verkürzung oder Zurechtrichtung der Welt mithilfe von Sprache. Das ist das Wesen seiner Sprachkritik: dass uns die Presse mit ihren Phrasen die Kraft nimmt, uns vorzustellen, was wirklich die Folgen von Handlungen sind. Wenn etwas einschlägt wie eine Bombe, macht uns das blind für die wirklichen Folgen eines Bombeneinschlags.
Schuh: Bei einer Inszenierung der "Letzten Tage der Menschheit" stand dann tatsächlich in einer Zeitung: "Es war ein Bombenerfolg."

Hinter der Phrase versteckt sich nicht unbedingt schlechtes oder schlampiges Deutsch. Können Sie den Begriff, wie Kraus ihn gebrauchte, definieren?
Schuh: Wenn sie das berücksichtigen, was ich vorhin über das indische Restaurant "da draußen" gesagt habe, dann ist die Phrase der am meisten gelungene Versuch, diesen flüssigen Kontakt des Logos mit der Wirklichkeit durch eine gestanzte Formel zu unterbrechen. Die Phrase bietet auch eine Entlastung, sie ermöglicht die Standardisierung der Kommunikation, durch die sie erst richtig kommerziell werden kann. Niemand ist immer so hellwach wie der Dichter in seiner besten Form. Du stützt dich auf die Phrasen im Umlauf. Wenn du Pech hast, unterbrichst du dadurch deinen Kontakt zur Welt überhaupt und beginnst sie – siehe "Die letzten Tage der Menschheit" – zu zerstören. Erst wenn der Krieg vorüber ist, begreifen viele, dass sie an Phrasen geglaubt haben. Durch die Phrase wird der Blick auf die Welt verbarrikadiert, was umso leichter geht, als unser Blick auf die Welt immer beschränkt ist.

Wie schützt man sich als Journalist vor der Phrase?
Thurnher: Man muss das Bewusstsein für Prozesse, die ablaufen, wenn man etwas beschreibt, überhaupt einmal erwerben und es immer wieder sensibilisieren. Die Phrase ist immer die einfachste Lösung. Sich ihr zu widersetzen, darin besteht das kleine Einmaleins jeglichen Schreibens. Damit müsste man an den Universitäten beginnen, wenn man Literatur betrachtet.

Die Kunsthalle fragte im Vorjahr anlässlich eines Schwerpunkts: "What would Thomas Bernhard do?" Wenn man statt Thomas Bernhard Karl Kraus einsetzt, klingt die Frage noch absurder, oder?
Schuh: Was mit dieser Frage verbunden ist, ist ein nicht aufgeklärtes Beschwören großer Geister. Passiert bei Bernhardinern und Krausianern. Man soll der Großen gedenken, aber man muss auch bei den Größten zur Kenntnis nehmen, dass sie nicht mehr sind. Wir können sie nicht wieder zum Leben bringen, um zu kommandieren, was sie uns sagen würden.
Thurnher: Vor allem erspart man sich dadurch die Frage: Was würde ich selber tun? Die ist doch wahrscheinlich wichtiger.

Sebastian Fasthuber in Falter 11/2014 vom 14.03.2014 (S. 4)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheÖsterreichs Eigensinn
ISBN 9783990270066
Erscheinungsdatum 26.02.2014
Umfang 800 Seiten
Genre Belletristik/Hauptwerk vor 1945
Format Buch
Verlag Jung u. Jung
Herausgegeben von Bernhard Fetz
Vorwort Franz Schuh
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