
Wildes Kärnten: Der dritte Frühling des Enzn-Sepp
Sebastian Fasthuber in FALTER 10/2026 vom 04.03.2026 (S. 33)
Der Satz "Diese Gegend hat mich kaputtgemacht, und ich bleibe so lange hier, bis man ihr das ansieht" stammt zwar von dem bayerischen Autor und Regisseur Herbert Achternbusch. Aber er lässt sich auch auf Josef Winkler ummünzen.
Seit den 1970ern arbeitet der österreichische Schriftsteller sich literarisch an seinem katholisch-bäuerlichkärntnerischen Herkunftskomplex ab. Unzählige Male hat er über das schwierige Verhältnis zu seinem Vater geschrieben.
Der junge Winkler war mit seinen zwei linken Händen, in denen er noch dazu mit Vorliebe Bücher hielt, ein "nutzloser Fresser", wie er oft zu hören bekam. Paradox ist, dass ihm die Literatur zwar den Weg aus diesen beengten Verhältnissen wies, sich Winkler aber gleichzeitig, selbst wenn er große Reisen unternahm und über Begräbnisrituale in Indien schrieb, an seine Herkunft klammert.
In "Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht" schildert der Autor einmal mehr das Leben auf dem elterlichen Hof in Kamering. Der Stoff, an dem sich die Inspiration entzündet, ist keineswegs weniger geworden. Mit mehr als 400 Seiten zählt der Roman zu Winklers umfangreichsten Arbeiten.
Der Roman nimmt die ältere Schwester ins Visier. Sie arbeitete als Saisonkraft in der Gastronomie, kehrte mit rund 30 aufgrund psychischer Probleme nachhause zurück und pendelte sodann zwischen Bauernhof und Heimen. Winkler gelingen berührende Bilder von der Schwester, die ihren kleinen Bruder beschützt hat -und um die er sich später selbst kümmern musste.
Sprachlich hebt der Roman ungemein wuchtig und dicht an. In der Mitte wird er leichter lesbar und gleitet bisweilen ins gar Episodische ab, ehe Winkler zum Finale noch einmal alles aus dem wilden Kärnten und den Zutaten Gewalt, Kirche und ewiges Nazitum herauspresst: ein literarisch gelungener Abschluss.
Der Büchner-Preis-Träger und Enzn-Sepp, wie der Autor nach dem Hausnamen seiner Familie auch heißt, wirkt alles anders als müde. Winkler war mehrfach en vogue und außer Mode. Nun blüht ihm ein dritter Frühling.






















