Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht

Roman
431 Seiten, Hardcover
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ISBN 9783518432709
Erscheinungsdatum 11.03.2026
Genre Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Verlag Suhrkamp
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HerstellerangabenAnzeigen
Suhrkamp Verlag GmbH
Torstr. 44 | DE-10119 Berlin
info@suhrkamp.de
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Kurzbeschreibung des Verlags

»Ich schreibe dich – / Zur Welt bist du wieder gekommen / mit geisternder Buchstabenkraft«, heißt es in einem der Gedichte von Nelly Sachs, das Josef Winkler in seinem neuen Roman zitiert, in dem er seine fünf Jahre ältere, mittlerweile verstorbene Schwester Maria, die sich in ihrer gemeinsamen Kindheit auf dem Bauernhof vor allem um den rebellischen Josef gekümmert hat, in die Welt zurückschreibt. Für eine Ausbildung zur Konditorin verlässt sie das Dorf, arbeitet jahrelang in den verschiedensten Hotels, kehrt nach Ausbruch ihrer seelischen Erkrankung und nach dem ersten Selbstmordversuch in ihr Elternhaus zurück, wo sie auf ihren Bruder Josef trifft, der nach dem Skandal um sein erstes Buch ebenfalls dort Zuflucht sucht.
Der Roman Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht, der mit Josef Winklers »Buchstabenkraft«, auch in surrealen Bildern, andeutet, welche ungeheuerlichen Vorkommnisse das Dasein seiner Schwester bis in den Tod verdunkelt haben mögen, verschränkt die Heimkehr der verlorenen Tochter und die Rückkehr des verlorenen Sohns ineinander. Wie Josef Winkler seelische und körperliche Gewalt der dörflichen Umwelt zur Sprache bringt, ist in der deutschsprachigen Literatur unvergleichlich.

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ISBN 9783518432709
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FALTER-Rezension

Wildes Kärnten: Der dritte Frühling des Enzn-Sepp

Sebastian Fasthuber in FALTER 10/2026 vom 04.03.2026 (S. 33)

Der Satz "Diese Gegend hat mich kaputtgemacht, und ich bleibe so lange hier, bis man ihr das ansieht" stammt zwar von dem bayerischen Autor und Regisseur Herbert Achternbusch. Aber er lässt sich auch auf Josef Winkler ummünzen.
Seit den 1970ern arbeitet der österreichische Schriftsteller sich literarisch an seinem katholisch-bäuerlichkärntnerischen Herkunftskomplex ab. Unzählige Male hat er über das schwierige Verhältnis zu seinem Vater geschrieben.

Der junge Winkler war mit seinen zwei linken Händen, in denen er noch dazu mit Vorliebe Bücher hielt, ein "nutzloser Fresser", wie er oft zu hören bekam. Paradox ist, dass ihm die Literatur zwar den Weg aus diesen beengten Verhältnissen wies, sich Winkler aber gleichzeitig, selbst wenn er große Reisen unternahm und über Begräbnisrituale in Indien schrieb, an seine Herkunft klammert.

In "Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht" schildert der Autor einmal mehr das Leben auf dem elterlichen Hof in Kamering. Der Stoff, an dem sich die Inspiration entzündet, ist keineswegs weniger geworden. Mit mehr als 400 Seiten zählt der Roman zu Winklers umfangreichsten Arbeiten.

Der Roman nimmt die ältere Schwester ins Visier. Sie arbeitete als Saisonkraft in der Gastronomie, kehrte mit rund 30 aufgrund psychischer Probleme nachhause zurück und pendelte sodann zwischen Bauernhof und Heimen. Winkler gelingen berührende Bilder von der Schwester, die ihren kleinen Bruder beschützt hat -und um die er sich später selbst kümmern musste.

Sprachlich hebt der Roman ungemein wuchtig und dicht an. In der Mitte wird er leichter lesbar und gleitet bisweilen ins gar Episodische ab, ehe Winkler zum Finale noch einmal alles aus dem wilden Kärnten und den Zutaten Gewalt, Kirche und ewiges Nazitum herauspresst: ein literarisch gelungener Abschluss.

Der Büchner-Preis-Träger und Enzn-Sepp, wie der Autor nach dem Hausnamen seiner Familie auch heißt, wirkt alles anders als müde. Winkler war mehrfach en vogue und außer Mode. Nun blüht ihm ein dritter Frühling.

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Über den Autor

Josef Winkler, geboren 1953 in Kamering, Kärnten, wuchs als Sohn bäuerlicher Eltern auf.Von 1973 bis 1982 arbeitete er als Schreibkraft in der Verwaltung der Klagenfurter Hochschule für Bildungswissenschaften und gründete zusammen mit Alois Brandstetter den "Literarischen Arbeitskreis". Winkler war auch Herausgeber der Literaturzeitschrift "Schreibarbeiten". Seitdem verfolgt er ausschließlich die Tätigkeit als freier Schriftsteller. Sein Erstling war die Romantrilogie "Das wilde Kärnten" ("Menschenkind", "Der Ackermann aus Kärnten" und "Muttersprache"). Zu weiteren bekannten Werken zählen "Menschenkind", die "Kalkutta"-Trilogie, "Wenn es soweit ist" und "Abschied von Vater und Mutter". Zuletzt veröffentlichte der Autor "Begib dich auf die Reise oder Drahtzieher der Sonnenstrahlen". Winkler wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er das spanische Premio Lateral, den Großen Österreichischen Staatspreis und den Georg-Büchner-Preis. Seit 2012 ist er außerdem der Präsident des Österreichischen Kunstsenats. Josef Winkler lebt und arbeitet in Klagenfurt.

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