Bitte haben Sie einen Moment Geduld, wir legen Ihr Produkt in den Warenkorb.
Bitte haben Sie einen Moment Geduld, wir legen Ihr Produkt in den Warenkorb.
| ISBN | 9783552060418 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 05.08.2006 |
| Genre | Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945) |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |
Gibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besser geschützten Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen? Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Bald scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten persönlichen Treffen kommt, aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, dass sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern. Außerdem ist Emmi glücklich verheiratet. Und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?
| ISBN | 9783552060418 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 05.08.2006 |
| Genre | Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945) |
| Verlag | Zsolnay, Paul |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG Vilshofener Straße 10 | DE-81679 München info@hanser.de |

Christina Dany in FALTER 32/2006 vom 09.08.2006 (S. 53)
Emmi und Leo geraten via E-Mail zufällig aneinander, und was als harmloses Geplänkel beginnt, gewinnt unvermutet rasch an erotischer Rasanz. Das ist auch gleich einer der größten Pluspunkte von Daniel Glattauers originellem Mailodram: Es liest sich flott. Spätestens auf Seite 37 ist man gefangen, ab Seite 70 ist man wirklich neugierig, wie es ausgeht, auf Seite 96 fängt man mit dem Nägelbeißen an. Allerdings hört man zirka ab Seite 156 auch wieder damit auf, weil das ausdauernde Hin und Her ein wenig zu nerven beginnt.
Emmi und Leo machen es sich ein bisschen gar schwer. Soll man das Wagnis eingehen und sich treffen? Denn: "Wie meistert man die Unmittelbarkeit der Begegnung, wenn man sie nie trainiert hat?" Gute Frage nach bis dahin immerhin 241 Mails. Bekanntlich ist es der Intensität des Höhepunkts nicht immer zuträglich, wenn er allzu lange hinausgezögert wird. Allerdings sprechen auch gewisse Gründe gegen ein Date im echten Leben, zum Beispiel die Tatsache, dass Emmi verheiratet ist. Glücklich noch dazu, wie sie versichert. Leos scharfsinnige Replik: "Wer ein Abenteuer sucht, erlebt gerade keines. Stimmt's?"
Glattauer konstruiert die Geschichte mit erheblichem handwerklichem Geschick und unter Aufbietung allerlei hübscher Ideen, er schildert nicht unvirtuos die aufkeimende Verliebtheit, die wechselseitigen Erschütterungen, das frivole Vortasten und erschrockene Zurückweichen, den Übermut und die Dämpfer, die man sich einfängt, sowie das interessante Phänomen der virtuellen Eifersucht und ebensolcher Zärtlichkeit.
Wenn zwei sich nur über das geschriebene Wort austauschen, einander so näher kommen, aber essenzielle Erkennungsmerkmale der Befindlichkeit des Gegenübers (Mimik, Gestik, Tonfall) fehlen, kommt es fast zwangsläufig zu Missverständnissen. Sehr glaubwürdig und nachvollziehbar entwickelt der Autor aber auch die fragile Vertrautheit, die daraus erwachsen kann. Außerdem ist der fiktive Mailwechsel gelungen rhythmisiert, längere Sermone wechseln mit temporeichem Wortpingpong ab.
Das Genre des Briefromans wird mit "Gut gegen Nordwind" zeitgemäß bereichert, aber als den Choderlos de Laclos der E-Mail-Generation wird man den Autor nicht unbedingt bezeichnen können. Zu wenig Gefahr, zu viel Gefälligkeit. Alles wird rührend direkt besprochen, zwischen den Zeilen muss man nicht viel vermuten, weil dort auch in der Tat wenig zu finden ist - eine Qualität, durch die sich auch die beliebten Heftchenromane der Marke "Julia" oder "Bianca" auszeichnen. (Dass Emmi attraktiv und Leo interessant ist, versteht sich natürlich von selbst.)
Trotzdem: Das Buch ist über weite Strecken witzig, stellenweise anrührend und insgesamt unterhaltsam. Man muss sich nicht genieren, wenn man damit im Freibad erwischt wird, immerhin steht Deuticke drauf. Warum der Verlag allerdings eine bleiche 16-Jährige mit Regelschmerzen (oder Zahnweh?) aufs Cover tun musste, bleibt rätselhaft.

Wie gefällt Ihnen unser Shop?