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| ISBN | 9783518415078 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 30.05.2007 |
| Genre | Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945) |
| Verlag | Suhrkamp |
| Herausgegeben von | Martin Huber, Wendelin Schmidt-Dengler |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |
Am 21. August 1984 wurde die »Erregung«, wie die Gattungsbezeichnung von Thomas Bernhards erstem Wien-Roman
Holzfällen
lautet, vom Suhrkamp Verlag an die Buchhandlungen ausgeliefert. Zehn Tage später ging beim Wiener Landgericht der Eilantrag auf die Beschlagnahme des Buches ein, da es Persönlichkeitsrechte verletze. Eine Richterin gab dem Antrag statt, so daß der Roman aus sämtlichen österreichischen Buchhandlungen entfernt wurde. Diese Erregung um eine Erregung bildete einen Grund, warum Bernhard in seinem Testament sich jede Verbindung mit dem österreichischen Staat verbat.
Die vorliegende Ausgabe dokumentiert zum ersten Mal in allen Details die Prozeßlage, deren Hintergründe und Konsequenzen. Die positive Seite des Skandals bestand für Bernhard darin, daß die gesamte deutsche Öffentlichkeit die Kunst dieses Schriftstellers wahrnahm. So charakterisierte die
Zeit
ihn mit den Worten: »Der größte Tragiker der zeitgenössischen mitteleuropäischen Literatur ist auch ihr größter Komiker. Und am komischsten, wenngleich nicht immer lustigsten, sind Bernhards Schimpfpredigten.«
| ISBN | 9783518415078 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum | 30.05.2007 |
| Genre | Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945) |
| Verlag | Suhrkamp |
| Herausgegeben von | Martin Huber, Wendelin Schmidt-Dengler |
| Lieferzeit | Lieferung in 2-5 Werktagen |
| Herstellerangaben | Anzeigen Suhrkamp Verlag GmbH Torstr. 44 | DE-10119 Berlin info@suhrkamp.de |

Klaus Nüchtern in FALTER 21/2007 vom 23.05.2007 (S. 62)
Wie dieser Roman im Jahr 1984 einen der größten Literaturskandale der Zweiten Republik auslöste und schließlich gar beschlagnahmt wurde, kann man im siebzig Seiten umfangreichen Anhang zum jüngsten Band der von Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler besorgten Werkausgabe bis ins Detail nachlesen, die auch noch jeden Justizhistoriker zufriedenstellen wird. Und natürlich wäre es unredlich, wollte man leugnen, dass der Reiz von "Holzfällen" mit den anrüchigen Aspekten des Schlüsselromans zusammenhängt, einem vollkommen verkommenen Genre, das zugleich bloßstellt und es dann aber - weil: Literatur! - nicht gewesen sein will. Andererseits gewinnt die durchdrehende Denunziationsrhetorik, die Thomas Bernhard hier von der Warte seines im Ohrensessel in der Gentzgasse bei den mittlerweile verhassten Auersbergers sitzenden Icherzählers aus entfesselt, natürlich an Griffigkeit, wenn man weiß, wer der Adressat der Invektiven ist.
Dass Bernhard hier einmal mehr "das Unangepasste im Konformisten" bedient, wie Franz Schuh seinerzeit schrieb, stimmt gewiss, und doch ist "Holzfällen" nicht nur einer der stimmigsten und gelungensten, sondern - bei aller Gemeinheit - auch einer der zärtlichsten Romane des Autors. Das hat damit zu tun, dass die Trinkerin, Selbstmörderin und gescheiterte Künstlerin Joana hier in absentia einen Raum einnimmt, der bei Bernhard nur wenigen (Frauen-)Figuren zugestanden wird; und selbst der Burgschauspieler, Anlass des zusehends entgleisenden "künstlerischen Abendessens" und ein eitler Geck wie nur irgendeiner, bekommt im Finale einen großen Auftritt zugestanden. Ja, sogar die viel beschworene, weitgehend auf syntaktischer Schwindsucht, verbalem Wiederholungszwang und der Nennung von Speisen (hier: Fogosch) fußende Komik Bernhards ist hier immer wieder tatsächlich komisch.
In seinen besten Momenten ist "Holzfällen" ein genuin böses Buch, weil es eine präzise Phänomenologie des Ressentiments liefert, die alle unter den Verdacht des Verrats stellt, und weil es den Typus des Wiener Kulturschmocks messerscharf umreißt.

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